Autonomie für Basken, Bretonen, Korsen?

Aufstand der Regionen

Die Globalisierung behagt vielen Menschen ganz und gar nicht. Auch im Fußball streben einige nach mehr Regionalisierung. Die Basken, die Bretonen und die Korsen wollen nun eine eigene Nationalmannschaft gründen. Autonomie für Basken, Bretonen, Korsen? Imago Kurz vor Weihnachten 2008 fand eine kleine Nachricht Aufmerksamkeit in den Gazetten und Portalen. In Bilbao waren rund Tausend Basken auf die Straße gegangen, um für die Zulassung einer baskischen Nationalmannschaft zu demonstrieren. Unabhängig vom konkreten Anlass - es ging um einen Sprachenstreit, in welchem Dialekt die Trikots für ein Freundschaftsspiel der Regionen hätten beflockt sein müssen - war die Argumentation, dass Großbritannienen schließlich mit England, Schottland, Nordirland und Wales vier »Nationalmannschaften´«stellen dürfe. Und die Diskussion um vier Fußball-Teams bei Olympia sei schließlich auch noch nicht entschieden. Der Vorstoß der Basken interessiert Katalanen, Andalusier, Bretonen, Elsässer, Korsen, die Einwohner der Jersey-Inseln, Gibraltar, die Fußball-Fans des Vatikans und andere.

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Beim Fußball-Weltverband FIFA gibt man sich höflich und verständnisvoll. Es wird auf Paragraph 10 der Statuten verwiesen, wonach nur FIFA-Mitgied werden kann, wer von den Vereinten Nationen anerkannt ist. Und die Färöer? Und Guadeloupe sowie Martinique die offiziell zu Frankreich gehören, aber eigenständisch im karibischen Raum mitkicken dürfen? Bei der FIFA wird mit den Schultern gezuckt: »Das war vor der Neufassung der Statuten.«

Die FIFA kennt ihren Stiefbruder nicht

Von einem Verband der Nicht-FIFA-Mitgieder, der 2003 gegründet worden sein soll und dem der südniedersächsische Fußball-Bund beigetreten war, ist dem Fußball-Weltverband nichts bekannt. Mitglieder sollen unter anderem Grönland, Kurdistan, Tibet, Monaco und die Osterinseln sein. Bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ist man sich der Problematik bewusst. Kommunikationsdirektor William Gaillard sagt: »Wir organisieren doch einen Europapokal der Regionen. Nur nimmt das auch die deutsche Sportpresse nicht sonderlich wahr, vermutlich, weil dieser Wettbewerb nur für Amateure ausgeschrieben ist und nicht für Profis. Wir können als UEFA und damit abhängig von der FIFA keine regionalen Nationalmannschaften zulassen. Im Übrigen spielt für Deutschland am 17. März der Niederrhein gegen eine Auswahl von Kelmis.«

Das liegt bei Eupen im Dreiländereck Deutschland, Belgien und Niederlande, heißt auf französisch La Calamine. Weitere Gegner sind eine Region aus Nordirland und Malta - da gibt es nur eine Region. Anruf beim Fußballverband Niederrhein. Wieso der Niederrhein? Pressesprecher Peter Hambüchen klärt auf: »Der Deutsche Fußball-Bund meldet für diesen Europapokal der Regionen immer den Sieger des Länderpokals, der unter den 21 Landesverbänden ausgespielt wird. Und dieses Mal war eben der Niederrhein der Sieger.»

Fazit: Trotz des Protestes der Basken - der Weg zu einer Auswahl des Saarlandes, die es 1953/54 noch gegeben hatte und immerhin zwei Länderspiele gegen die DFB-Mannschaft bestritt, oder zu einer bayerischen Nationalmannschaft ist weit. Da müsste die CSU tatsächlich einen »freien Staat« ausrufen.

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