Aus aktuellem Anlass: Die 11FREUNDE-Reportage über RB Leipzig

»Gute Verbindungen sind nie abträglich«

So offensichtlich hier österreichische Kulissenschieber am Werk waren, so unproblematisch gestalteten sich in der Vergangenheit die Lizenzvergaben des Deutschen Fußball-Bundes und des sächsischen Landesverbandes. Das mochte daran liegen, dass der DFB dem Klub in den letzten Jahren stets wohlgesonnen war. Das muss bei den vielfältigen Verbindungen zwischen RB Leipzig und Verband nicht verwundern. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock war zuvor Geschäftsführer bei Red Bull Salzburg. Ulrich Wolter wiederum, der aktuelle Geschäftsführer des Klubs, kam von der Otto-Fleck-Schneise nach Leipzig. Als er bei seinem Amtsantritt gefragt wurde, ob der Verein mit ihm auch ein Netzwerk hin zum Verband eingekauft habe, antwortete Wolter: »Gute Verbindungen sind nie abträglich.«

Die Geschichte der TSG Hoffenheim

Wobei zunächst nicht einmal gute Beziehungen notwendig waren, so willfährig erwies sich 2009 der Sächsische Fußballverband gegenüber RB Leipzig. Es bleibt bis heute ein veritabler Skandal, dass der Klub damals nicht gezwungen wurde, das Wappen den Regularien des Verbandes anzupassen, in denen es unmissverständlich heißt: »Die Neugebung (...) von Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig.« Das Emblem des Klubs enthält das zentrale Erkennungsmerkmal des Konzern aus Fuschl, zwei brünftige Stiere. Das konnte nur der nicht erkennen, der gerade einen tiefen Diener vor den neuen Investoren machte. Heute ist das Wappen überhaupt kein Thema mehr, nicht bei der DFL und nicht beim Fußball-Bund.

In die Karten spielte RB Leipzig zudem die Laxheit im Umgang mit vergleichbaren Klubs. Denn das Thema der Klubstrukturen steht natürlich nicht zum ersten Mal auf der Agenda. Schon die TSG Hoffenheim hatte zunächst Statuten für den Verein und die ausgelagerte Spielbetriebs-GmbH vorgelegt, die nur den Buchstaben nach die Anforderungen erfüllten, in der Praxis aber den Einfluss des Geldgebers Dietmar Hopp zementierten. Letztlich wurden sie aber durchgewinkt. »Folgt man dem juristischen Grundsatz der Gleichbehandlung, darf die Messlatte für RB Leipzig nun nicht willkürlich höher gehängt werden als bei anderen Klubs«, sagt Dr. Rainer Koch, für Recht und Satzung zuständiger Vizepräsident des DFB. Der Verband hatte dem Klub nach intensiven Gesprächen signalisiert, durch Satzungsänderungen etwaige Bedenken gegen eine Lizenzerteilung ausräumen zu können. Bis die DFL klarstellte, dass sie sich im Falle eines Aufstiegs eine eigene strenge Prüfung der Vereinsstrukturen vorbehalte. Es offenbarte sich hier erstmals eine Kluft zwischen DFB und DFL, die zuvor, Rainer Koch zufolge, die Gespräche mit Leipzig im Einvernehmen geführt hatten. Die Äußerungen Rettigs auf dem Fankongress machten nun unmissverständlich klar, dass beim Ligaverband die Frage des Einflusses der Mitglieder deutlich schwerer gewichtet wird als beim DFB. »Wir nehmen die 50 + 1-Regel sehr ernst«, sagt Rettig. »Und wenn ein Klub als Verein und nicht als Kapitalgesellschaft auftritt, muss er seinen Mitgliedern die Möglichkeit der Mitbestimmung geben. Das ist der Geist der 50 + 1-Regel und ein hohes Gut!« 

Vor Gericht würde die DFL haushoch verlieren

Rettigs Ankündigung muss bei RB Leipzig eine gewisse Betriebsamkeit ausgelöst haben. Jedenfalls wurde alsbald nach Frankfurt gekabelt, man habe auf einer Mitgliederversammlung Ende Januar bereits die vom DFB geforderten Satzungsänderungen auf den Weg gebracht. Eine Senkung des horrenden Jahresbeitrags war jedoch dem Vernehmen nach nicht darunter. Das Hin und Her zwischen der DFL und dem Leipziger Klub gleicht derzeit einem Pokerspiel, das beide Seiten mit hohem Einsatz spielen. Klar ist, dass weder Ligaverband noch RB ein gesteigertes Interesse an einer gerichtlichen Auseinandersetzung haben. Auf die würde jedoch eine Lizenzverweigerung für den Klub unweigerlich hinauslaufen. Und vor Gericht würde die DFL haushoch verlieren, das weiß man auch in Frankfurt. Zugleich ist aber auch kaum vorstellbar, dass RB Leipzig sich seine horrenden Mitgliedsbeiträge gerichtlich bestätigen lassen möchte und dafür die DFL vor den Kadi zerrt. Denn es war stets strikte Politik von Red Bull, allein sportliche Schlagzeilen produzieren zu wollen. Ein schlagzeilenträchtiger Rechtsstreit widerspräche dieser Strategie. Ein klassisches Patt also, das beide Seiten zur Bewegung zwingt. Am Ende wird, soviel ist heute schon klar, RB Leipzig an seinen Statuten so weit herumschrauben, dass am Ende die Lizenzerteilung für die zweite Bundesliga steht.