Asiaten in der Bundesliga

Maskenmänner und Wildpferde

Soll das der Megatransfer der Bundesliga sein? Bayern München hat die Verpflichtung des Japaners Takashi Usami bekannt gegeben. Der 19-Jährige reiht sich ein in die lange Liste asiatischer Bundesliga-Profis. Eine Übersicht. Asiaten in der Bundesliga

Yasuhiko Okudera, Japan
1977-1986: 1. FC Köln, Werder Bremen


Zack, Bumm, Fußball-Legende: Mehr musste Yasohiko Okudera gar nicht tun, als 1977 seine Unterschrift unter einen Vertrag vom 1. FC Köln zu kritzeln. Als erster Japaner im europäischen Profifußball machte sich Okudera in seiner Heimat unsterblich. Dass er zudem auch ziemlich erfolgreich gegen den Ball treten konnte, wird seinem Kultstatus sicherlich nicht geschadet haben. Mit dem FC wurde Okudera 1978 Deutscher Meister und Pokalsieger, später verpasste er mit Werder Bremen den nationalen Titel nur knapp: 1985 und 1986 landeten Werder und Okudera auf Platz zwei. Sein Kölner Kollege Toni Schumacher urteilte einst diplomatisch: »Er war technisch nicht überragend, zeichnete sich aber durch Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit aus!«

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Cha Bum-kun, Südkorea
1978-1989: Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen


Als die Bundesliga grau und trist war und Abwehrspieler mit Spitznamen wie »Axt« und »Funkturm« ihre Oberschenkel noch in Baumstammästhetik und ihre Füße im Eisen-Look präsentierten, überrante Cha Bum-kun die Grasnarben und Gegenspieler elegant und kraftvoll wie ein Gepard. Seine Physiognomie: Drahtig und doch massiv. Seine Karriere hatte der Südkoreaner beim Lutwaffensportklub Seoul begonnen, 1978 wechselte er in die Bundesliga und stand zunächst bei Darmstadt 98 unter Vertrag, für die er allerdings nur eine Partie absolvierte, da er zwischenzeitlich in seine Heimat zurückkehren musste, um seinen Wehrdienst zu absolvieren. Der große Durchbruch gelang dem pfeilschnellen Mann aus der Ferne ein Jahr später bei Eintracht Frankfurt, für die er in 122 Spielen 44 Tore schoss und 1980 den Uefa-Pokal gewann. Mit Bayer Leverkusen, für die er ab 1983 aktiv war, schoss er 52 Tore in 185 Spielen und gewann seinen zweiten Uefa- Cup (1988). Wie kaum ein anderer Bundesligaspieler hat Cha Bum-kun einen festen Platz in der Popkultur. Die Frankfurter Band Bum-Kun-Cha-Youth benannte sich nach dem Stürmer, außerdem widmete ihm der Dichter Eckhard Henscheid einst diese flockigen Zeilen:    

Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht,
Die den großen Gedanken vermochte, den
Knaben zu träumen, zu denken – und dann auch zu
Bilden mit den schnellen, beseelten, jauchzenden
Füßen des Jünglings: Flink, flitzend,
Flirrend und flackernd – nicht lange fackelnd,
Doch feuernd und feiernd; den fühlenden Herzen
Frankfurts zur Freude.
Bum Kun Cha! Freund aus dem Osten! Fremdling bist
Du nicht länger – nicht bitt’res Los ist Exil
Dir! Heimat, die zweite, du fandst sie.


Vittaya Laohakul, Thailand
1979-1984: Hertha BSC, 1. FC Saarbrücken


Vittaya Laohakul war in den siebziger und achtziger Jahren in Thailand eine große Nummer, heute gilt er für manche sogar als der beste thailändische Fußballer aller Zeiten. Für den FC Raj Pracha und Yanmar Diesel bestritt er über 200 Ligaspiele, mit der thailädnischen Nationalelf gewann er die 1977 die Südostasienspiele. In Berlin gelang ihm indes nicht sonderlich viel, wenn man heute Hertha-Fans auf Laohakul anspricht, erinnern sie sich immerhin noch einen Fakt: Er kam immer mit dem Fahrrad zum Training. Besser lief es in Saabrücken: Dort gilt er heute noch als Riesentechniker, Sympathieträger und »Fußball-Gott« (Vgl. Eric Wynalda).

Kazuo Ozaki, Japan
1983-1989: Arminia Bielefeld, FC St. Pauli. Fortuna Düsseldorf


Kam als zweiter Japaner nach Yasuhiko Okudera 1983 in die Bundesliga und ist vor allem bei Arminia Bielefeld bis heute unvergessen. Grund dafür sind nicht nur seine hamsterartigen Flügelläufe auf der Alm, sondern vor allem die legendäre Partie am 6. Oktober 1984 gegen Schalke 04, als Ozaki wegen einem gebrochenen Nasenbein einen Gesichtsschutz tragen musste. Seitdem gilt Ozaki als Pionier der Fußball-Masken – und ist zudem ein beliebter Gast bei Fernseh-Talkshows mit dem Titel »Fußballer, die wie Fliegen aussehen«.

Kim Joo-Sung, Südkorea
1992-1993: VfL Bochum


Drei Mal in Folge wurde Busans Kim Joo-Sung zu »Asiens Fußballer des Jahres« gewählt. Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis antwortete der schöne Fremde nur: »Meine langen Haare!« Was er damals noch nicht ahnte: Die Fußballwelt ist die Brutstätte für grenzdebile Spitznamen. Hier eine Auswahl für Kim Joo-Sung: »Little Samson«, »Wildpferd«, »Arbeitspferd.« Die Reihenfolge spiegelt auch den Werdegang von Joo-Sung wider: Vom kleinen Kuschelbär über den unkontrolierbaren Jungstar mit edler Technik zum alten und kämpfenden Wasserträger. Nach seiner Karriere setzte er seine Karriere als »Arbeitspferd«, pardon, sein Studium fort. Er promovierte im Vorbeigehen in Sportmarketing und machte wenig später im Eiltempo einen International Master in Management, Law and Humanities of Sport. Zu Ehren von Kim Joo-Sung wird das Trikot mit der Rückennummer 16 bei Busan nicht mehr vergeben.



Chen Yang, China
1998-2001: Eintracht Frankfurt


Dass ausgerechnet Klaus Schlappner, der Mann mit Hut und NPD-Vergangenheit, den ersten Chinesen der deutschen Fußball-Geschichte in die Bundesliga lotsen würde, hätte man nun auch nicht ohne weiteres vermuten können. Über seinen Neuzugang Chen Yang erinnerte sich Schlappner später in einem Interview: »Der kam nach Frankfurt, spielte die ersten vier Monate auch toll, bis ihm falsche Freunde und sogenannte Berater den Kopf mit Dollarzeichen verdrehten. Es sprach sich nämlich herum, dass sein Landsmann Fan Zhiyi in England mit 45.000 Dollar die Woche vollgestopft wird. Bei den Chinesen wird über Geld geschwätzt wie bei uns übers Wetter. Also dachte Chen Yang plötzlich nur noch an Kohle, Training und harte Arbeit rückten in den Hintergrund. Er wechselte dann noch zu St. Pauli – Ende. Eine Schande, diese vergebene Karriere.«

Lee Dong-Gook, Südkorea
2001: Werder Bremen


Man darf es den Werder-Fans nicht übel nehmen, dass sie ihren Neuzugang aus Südkorea konsequent falsch herum feierten. Denn immerhin hatte man in Zeiten der für Werder-Fans überaus trostlosen Jahrtausendwende überhaupt etwas zu feiern. Und wenn es nur ein 1,90 Meter großer asiatischer Neuzugang war, der sich ein Jahr lang zwar konsequent vor der Ostkurve warm zu laufen schien, allerdings nie zum Einsatz kam. Der Blick auf die Statistik überrascht Beobachter von damals: Angeblich soll Lee Dong-Gook in seinem Bremer Jahr auf sieben Einsätze gekommen sein. Ach ja, der konsequent falsche Gesang der Werder-Fans: »Dong-Gong-Lee! Dong-Kong-Lee«, brüllte das erheiterte Volk, erinnerte sich an alte Nintendo-Klassiker und staunte über den sich ausgiebig dehnenden Südkoreaner. Der winkte immerhin beständig freundlich zurück.

Naohiro Takahara, Japan
2003-2007: HSV, Eintracht Frankfurt


Bei Jubilo Iwata hatte Takahara genetzt wie kein Zweiter: 26 Tore in 27 Spielen. Der Japaner wurde mit dieser Gerd-Müller-Gedächtnis-Quote nicht nur Torschützenkönig der J-League, sondern auch »Nationaler Fußballer des Jahres 2002«. Kein Wunder, dass Vereine in Europa aufhorchten, zumal in den frühen Jahren des Jahrtausends eine Goldgräberstimmung in Sachen Sportvermarktung in Fernost ausbrach. Der HSV verpflichtete den Japaner zur Rückserie der Saison 2003/04. In den ersten eineinhalb Jahren gelang nichts, der Stürmer brach im Sprintmodus zwar sämtliche Kurzstreckenrekorde im Volkspark, doch den Ball sah er selten. Einige Stadion-Experten unkten seinerzeit, das Spiel sei zu langsam für ihn. Doch was soll's, immerhin lief in Japan jeder 798. Einwohner mit einem neuen Takahara-Trikot vom HSV herum und im Hamburger Boulevard hatte der Stürmer mit Torflaute seinen Torjägernamen weg: Sushi-Bomber. Bei Eintracht Frankfurt lief es für Takahara schließlich besser: Elf Mal traf er in der ersten Saison. Und als er am 15. Spieltag gegen Alemannia Aachen einen Hattrick vollbrachte, soll halb Tokio im Ansturm auf Sportartikelgeschäfte zusammengebrochen sein.

Shao Jiayi, China
2003- : 1860 München, Energie Cottbus


Klein, wendig, leicht wie eine kommunistische Taschenfibel – das deutsche Bild chinesischer Fußball-Zwerge änderte sich gründlich, als der Hüne Saho Jiayi 2002 bei 1860 München aufkreuzte. Der 1,88 Mann sah nicht nur so aus, als sei er sein ganzes Leben lang mit bayrischem Leberkäs gemästet worden, er spielte auch so. Kraftvoll warf sich Shao in die Zweikämpfe, aufopfernd schmiss er seinen Körper in den gegnerischen Strafraum – und hatte nach 58 Spielen acht Tore auf den Konto. Nicht übel für einen bis dato unbekannten Mittelfeldmann, von dem man angenommen hatte, er sei leicht wie ein Taschenbuch. Dann gingen die »Löwen« pleite, Shao wurde 2006 Richtung Cottbus verkauft. Dort spielt er bis heute.

Ahn Jung-hwan, Südkorea
2006: MSV Duisburg


Beinahe wäre Walter Hellmich, der allmächtige Boss vom MSV Duisburg, vor lauter Stolz aus seinem Anzug gefallen. Denn der Spieler, den er da 2006 vor der versammelten Presse fest an sich krallte, war nicht irgendein namensloser Neuzugang aus sonst woher, sondern kein geringerer als der »David Beckham Südkoreas«, ein waschechter WM-Teilnehmer und Volksheld, von Kindern geliebt, von Frauen angehimmelt und verheiratet mit – wem sonst? – der ehemaligen »Miss Korea« Lee Hye-won. Ahn Jung-hwan, in Hellmichs Armen bereits 30 Jahre alt, war bei der Heim-WM 2002 berühmt geworden, weil er im skandalumwitterten Viertelfinale gegen Italien das »Golden Goal« für Südkorea erzielt hatte und sich zum Dank einen neuen Arbeitgeber suchen musste. Luciano Gaucci, damals Präsident von Ahns italienischem Klub AC Perugia, schäumte: »Ich werde nicht das Gehalt eines Spielers zahlen, der den italienischen Fußball ruiniert hat.« Auch Präsident Hellmich blieb nicht ewig stolz – nach zwölf Saisonspielen verließ der asiatische Beckham den MSV und heuerte bei den Suwon Samsung Bluewings an. Vermutlich das Duisburg Südkoreas.

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