Arrigo Sacchi über das Champions-League-Finale 1989

»Sie haben Angst vor uns!«

Die Mailänder Helden von 1989 beschäftigten sich vor dem Finale nicht mit ihrem Gegner. Sie hatten ja Maldini, Ancelotti und Gullit. Coach Arrigo Sacchi erinnert sich an das Finale.

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AC Milan - Steaua Bukarest
24. Mai 1989 in Barcelona (Camp Nou)

Ergebnis: 4:0

Ich lese auch vor wichtigen Spielen die Zeitung. Am Tag vor dem Finale gegen Steaua Bukarest im Landesmeister-Pokal 1989 fiel mir ein Artikel von Gianni Brera in der Gazzetta dello Sport auf. Brera war damals der Doyen des italienischen Sportjournalismus, eine Legende. Alle hingen an seinen Lippen. Ich nahm den Zeitungsartikel über unser Spiel gegen Bukarest mit in die letzte Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel und las ihn laut vor.

Echte Champions aus Bukarest

Brera beschrieb Bukarest als echte Champions, die erst 1986 die Coppa dei Campioni gewonnen hatten. Er rühmte die Ballsicherheit der Rumänen und ihren Ballbesitz, der es auch uns schwer machen würde, ins Spiel zu kommen. Also schlug Brera vor, wie wir uns verhalten sollten: Vorsichtig, abwartend und im richtigen Moment gefährliche Konter fahren. Wie es eben typisch für italienische Mannschaften war.

Ich wollte dann hören, was die Mannschaft dazu zu sagen hatte. Leute wie mein Kapitän Franco Baresi, der junge Paolo Maldini, Mauro Tassotti, Billy Costacurta, Roberto Donadoni oder Carlo Ancelotti und natürlich die drei Holländer. Ruud Gullit stand auf und sagte genau das Gegenteil von dem, was Brera in seiner Analyse geschrieben hatte: »Wir attackieren sie von der ersten Sekunde bis zur letzten und lassen sie nicht zum Atmen kommen.« Alle nickten. So war es dann auch.

»Die Serie A war nur Training für uns«

Das Finale fand am 24. Mai im Camp Nou von Barcelona statt und ehrlich gesagt haben wir schon im November angefangen, uns darauf vorzubereiten. Beim Zweitrunden-Spiel gegen Roter Stern Belgrad lagen wir zurück und drohten auszuscheiden, als sich plötzlich ein dichter Nebel über den Rasen des Belgrader Marakana-Stadions legte. Der Schiedsrichter brach die Partie ab, wir entschieden das Wiederholungsspiel am Tag darauf im Elfmeterschießen für uns. Das war großes Glück. Nach diesem Erlebnis wuchs in der Mannschaft das Gefühl, dass der Weg zum Titel irgendwie frei wurde. Die Serie A war in diesem Jahr nur eine Art Training für uns. Wir wollten den Pokal.