Antirassistisches Banner in den USA verboten


Die Linie überschritten




In den USA wird ein ein anti-rassistisches Banner aus dem Stadion verbannt. Wegen »politischer Rede«, wie die MLS sagt. Die sich damit selbst widerspricht.

Screenshot YouTube/Kyle Anderson

»Don’t cross the line« wirbt eine Kampagne der us-amerikanischen Major League Soccer (MLS), die dazu auffordert, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten.

Im Wortlaut der Homepage liest sich das so: »Die MLS ist bemüht alle Gemeinden, in denen wir unsere Spiele leben und spielen, zu unterstützen, um eine Umgebung zu schaffen, in der unsere Angestellten, Klubs, Spieler, Partner und Fans mit Würde und Respekt behandelt werden. Don’t cross the line unterstützt das Engagement der Liga, Diskriminierungen jeder Art zu beenden und unterstützt eine Atmosphäre von Vielfalt, Gleichheit und Eingliederung in der gesamten Fußball-Gemeinde.«



Die eigenen Prinzipien mit Füßen getreten

Schöne und wichtige Worte. Schade nur, dass die MLS sich offenbar schwer tut damit, die eigenen Worte mit Leben zu füllen. So wie Ende Oktober in Vancouver, Kanada.

Da spielten die Seattle Sounders im Halbfinal-Hinspiel der MLS Western Conference bei den gastgebenden Whitecaps vor und erreichten ein 0:0. Das ideale Ergebnis für das Rückspiel. Und also hätte alles so schön sein können. Wenn, ja wenn die MLS nicht plötzlich auf die Idee gekommen wäre, ihre eigenen Prinzipien und Kampagnen mit Füßen zu treten.

Ein trauriges Bild

»Anti-faschistisch, anti-rassistisch, immer Seattle«, stand auf einem Banner, das Mitglieder von Seattles Fan-Gruppierung »Emerald City Supporters« (EMS) mit ins Stadion genommen hatten. Kein Problem, möchte man meinen, doch genau dazu wurde es kurz vor Ende der ersten Halbzeit.

Denn dann kamen Liga-Offizielle auf die EMS-Mitglieder zu und verlangten, das Banner zu entfernen. Angeblich, so die Zeugenaussagen der anwesenden Fans, weil es Ausdruck politischer Rede und diese ligaweit in den Stadien unerwünscht sei. 

Das anschließende Gezerre um die Fahne, das Herbeirufen der Polizei und die abschließende Frage, was den Fans nun lieber wäre, eine freiweillige Herausgabe der Fahne (plus eines Schals mit ähnlicher Botschaft; mithin ein offizielles Merchandise-Produkt der Seattle Sounders) oder die Verhaftung, runden das traurige Bild ab.



Wie das zur »Don’t cross the line«-Kampagne der Liga oder zum eigens und nur wenige Wochen zuvor von der Liga in Portland gedrehten Film »Soccer City, USA: Refugees Welcome« passen soll, bleibt ein Rätsel. Bisher hat sich niemand vom Verband zu dem Vorfall in Vancouver geäußert.



Doch zum Glück haben die Seattle Sounders die gute Ausgangslage des Hinspiels nutzen können. Dank des 2:0-Erfolgs im Rückspiel steht das Team nun im Finale der Western Conference.

Kann man nur hoffen, dass möglichst viele Fans auf die Idee kommen, für das einzustehen, was die MLS so gern propagiert. »Anti-faschistisch, anti-rassistisch, immer Seattle«. Immer Fußball, möchte man anfügen. 

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