Angstgegner Deutschland

Sie siegten sogar in Unterzahl

Zwei Jahre später, bei der WM 1974 im eigenen Land, konnte die DFB-Elf schlecht gegen den Gastgeber spielen. Aber mit dem Wissen von heute sieht man, dass sich der aufkeimende Fluch trotzdem wieder bemerkbar machte: Erneut schaffte es Deutschland, die Heimmannschaft zu besiegen - nur war es eben diesmal das andere Deutschland, die DDR, die es tat.

Und so ging es immer weiter, manchmal selbst in Unterzahl, wie im Viertelfinale 1986 gegen Mexiko. Manche dieser zahlreichen Siege gegen gastgebende Nationen fallen einem nicht sogleich ein, weil sie in der Gruppenphase eines Turniers errungen wurden, zum Beispiel 1982 gegen Spanien oder 2008 gegen Österreich. Andere sind inzwischen legendär - etwa das 7:1 gegen Brasilien vor vier Jahren oder das Spiel gegen Südkorea 2002, als Michael Ballacks taktisches Foul seiner Mannschaft den Sieg sicherte und ihn selbst die Finalteilnahme kostete.



Es sieht schlecht aus für Frankreich

Diese beiden Partien waren Halbfinalspiele. Auch das ist kein Zufall, denn es ist eine Spezialität der Deutschen, dem Gastgeber seine Party ganz kurz vor dem Höhepunkt zu vermiesen. Von den erwähnten neun Siegen errang das DFB-Team gleich sechs in einem Halbfinale! Vier davon bei einer EM, auf den 72er Triumph folgte vier Jahre später ein 4:2 nach Verlängerung gegen Jugoslawien in Belgrad. Dazu kommen noch der Sieg gegen Schweden bei der EM 1992 und der berühmte Erfolg im Halbfinale 1996 gegen Gastgeber England.

Womit sich der Kreis schließt - und die Erkenntnis verfestigt, dass die Franzosen sich besser einen anderen Gast eingeladen hätten als ausgerechnet die deutsche Mannschaft.