Angeberwissen über Lazio Rom

Juwelen, Adler, Hitler-Gruß

Heute Abend spielt Bayer Leverkusen in der Champions-League-Quali gegen Lazio Rom. Aber was weiß man eigentlich über den Hauptstadtklub außer, dass Miro Klose dort spielt? Hier kommen elf Fakten. 

Imago

1.
Als Società Podistica Lazio am 9. Januar 1900 gegründet, orientierte sich der Verein Lazio Rom an den sportlichen Vorbildern aus Griechenland. Die Vereinsfarben blau und weiß, sind ebenso ein Tribut an die Erfinder der olympischen Spiele, wie der Adler, der Lazios Wappen grimmig bewacht. Gründungsmitglied Luigi Bigiarelli entschied sich für den König der Lüfte, weil dieser auch im Emblem der griechischen Gottheit Zeus auftaucht. Recht simpel lassen sich daher auch die drei Spitznamen von Lazio Rom erklären: e Aquile (die Adler), Aquilotti (die Jung-Adler) und biancocelesti (die Blau-Weißen).

2.
Lazios erste Heldenfigur heißt Silvio Piola. Der Offensivmann erzielte zwischen 1934 und 1943 148 Tore in 227 Spielen, führte Lazio in der ersten Saison der Serie A gleich auf Rang zwei und machte sich unsterblich, als er im WM-Finale 1938 zwei Tore im Finale gegen Ungarn erzielte. Bis heute führt er die Torschützenliste der italienischen Eliteklasse an, 274 Buden in 537 Serie-A-Spielen sind zwar eine stolze Zahl, lassen unseren deutschen Mann fürs Zahlenwerk, Gerd Müller, allerdings nur heiser lachen. Immerhin: Dafür gilt Piola, der Rekordmann von Lazio Rom, als einer der Erfinder des Fallrückziehers.

3.

Es hat ja schon wirklich tragisch-blöde Tode gegeben. Menschen, die von Hochhausspringenden Selbstmördern erschlagen wurden. Oder der stolze Jung-Manager, der seine Freundin vom bruchfesten Glas in seinem neuen Büro im zehnten Stock überzeugen wollte – und samt »bruchfestem« Glas in die Tiefe stürzte. Luciano Re Cecconi, genannt »der blonde Engel«, erlitt 1977 ein ähnliches Schicksal. Der Lazio-Rom-Akteur und WM-Teilnehmer 1974 musste einen dummen Streich mit dem Leben bezahlen. Mit einer Maske auf dem Kopf stürmte er den Juwelier-Laden eines Freundes, um einen Raubüberfall nachzuspielen. Und wurde erschossen.

4.
Nachdem ein landesweiter Wettskandal – mit Beteiligung einiger Lazio-Spieler – bekannt wurde, mussten die Römer zur Saison 1980/81 in der Serie B gegen den Ball treten. Erst nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit, die dunkelste Zeit der Lazio-Historie, schaffte der Klub den Wiederaufstieg. Dazugelernt hatten die Akteure des Skandals aber scheinbar nicht. »Die Fans brauchen die Illusion«, antwortete Lazio-Spieler Maurizio Montesi auf die Frage, ob durch den Wettskandal nun die Stadien leer bleiben würden, »sie brauchen das Ventil Fußball und wollen gar nicht wissen, wie die Dinge wirklich laufen.« Wohl wahr, trotzdem eklig.

5.
Zur Saison 1998/99 spülte sich Lazio Rom beinahe selbst in die finanzielle Vorhölle. In einem so noch nicht bekannten Kaufrausch erwarb sich Lazio in nur einer Transferperiode die Dienste folgender Edelkicker: Iván de la Peña (14,5 Millionen Euro), Dejan Stankovic (15 Millionen), Siniša Mihajlović (17 Millionen), Marcelo Salas (17,5 Millionen) und Christian Vieri (25 Millionen). Die weiteren »Groß«-Transfers Fernando Couto (3,4 Millionen) und Sérgio Conceição (9 Millionen) wirkten dagegen beinahe wie Peanuts. Am Ende hatte Lazio Rom die unglaubliche Summe von 101,65 Millionen Euro verprasst. In der Folgesaison versuchte sich der Traditionsverein mit dem Verkauf von Offensiv-Ochse Christian Vieri gesund zu stoßen (45 Millionen) – dumm nur, dass man gleichzeitig einen 30-Millionen-Transfer mit Liga-Konkurrent AC Parma und dessen Mittelfeldmann Juan Sebastian Veron eintütete. Was heißt eigentlich »Wie gewonnen, so zerronnen?« auf italienisch?