Angeberwissen über Englische Wochen

»Der hat schon gelb!«

Rekord-Platzverweise, Hochzeiten, die zu platzen drohen und ein Beichtstuhl der Begierde. Englische Wochen haben es in sich. 

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»Der hat schon gelb!«
Frankfurts Karim Matmour gelang im November 2012 das Kunststück, innerhalb einer Woche zweimal vom Platz zu fliegen - der Englischen Woche sei Dank. Matmour sammelte insgesamt vier gelbe Karten in zwei Spielen. Am Samstag gegen Schalke brauchte er dafür 87. Minuten, am darauffolgenden Freitag lediglich 34. Einmalig!

Das erste Mal
In Deutschland fand die erste Englische Woche in der Bundesliga-Saison 1965/66 statt. Am Mittwoch, dem 20. Oktober 1965, wurden um 15:45 Uhr drei Spiele angepfiffen. Darunter eine Spielansetzung, die klingt wie ein Gedicht: »Borussia Neunkirchen gegen den Meidericher SV / Spielleiter Kurt Handwerker / Endstand: 0:1.« Poetisch!

»Ehe ich heirate…«
Der Spielrhythmus »Englische Woche« gefährdete 2002 die Hochzeit von Michael Ballack mit seiner Sabine. Ballack, damals noch in Diensten von Bayer Leverkusen antwortete im Bild-Interview auf die Frage, wann er sich denn nun endlich vermählen würde: »Schauen Sie mal in den Kalender. Eine Englische Woche jagt die andere. Irgendwann finden wir schon einen Termin.« Schönste Pointe: Die Hochzeit fand schlussendlich erst sechs Jahre später statt. Geduldig!

Der gutmütige Franky
Pragmatischer war da schon Frank Greiner, der nichts anbrennen ließ und seine Conny anno 1999 mitten in einer englischen Woche ehelichte. Oder wie es die Bild unter dem zeitlos schönen Titel »Wie Bundesliga-Star Greiner durch die Damenwelt dribbelt…« atemlos zusammenfasste: »Eine neue Frau in Frankys Leben ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Die rothaarige Conny Choritz, Inhaberin eines Blumenladens in Wolfsburg. Mitten in eine englische Woche zwängte sie eilig den Hochzeitstermin dem gutmütigen Franky auf.« Sonderlich lange hielt die Ehe leider nicht. Und der gutmütige Franky? Nahm’s pragmatisch, klar: »Die Trennung trifft mich nicht so hart wie damals mit Marion.«

Lost in translation
Der Begriff »Englische Woche« wird übrigens gar nicht in England benutzt. Ist ja auch wenig sinnvoll, man befindet sich ja bereits in England. Dort spricht man von schlicht von einer »Three-Game week«. Pragmatisch!

Beichtstuhl der Begierde
»Mittlerweile vergeht kaum noch eine Woche ohne Spitzenspiele: englische Woche in der Bundesliga, UEFA-Cup, Champions League, DFB-Pokal, Länderspiele, Europa- und Weltmeisterschaftsqualifikationen«, polterte 1997 die Süddeutsche, und schickte die rhetorische Frage direkt hinterher: »Wieviel Fußball erträgt der Zuschauer?«. Nun, sehr viel mehr, wissen wir fast zehn Jahre später. Ob die Sender allerdings noch bei den gleichen Strategien geblieben sind wie 1997? »Action oder Krimi haben keine Chance, die einzige Alternative zu Fußball heißt Romantik. Nur große Gefühle bestehen gegen große Spiele: ›Beichtstuhl der Begierde‹, von Sat1 als Geheimwaffe gegen den UEFA-Cup eingesetzt, hatte 5,8 Millionen Zuschauer. Mittwochs, wenn bei RTL die Champions League zu sehen ist, will Sat1 in Zukunft noch stärker auf romantische TV-Movies setzen.« Klingt super, wir werfen mal eben einen Blick ins heutige TV-Programm.

Unschlagbar
Der mächtige SSV 1848 Ulm ist die erfolgreichste Mannschaft in der Geschichte der Englischen Wochen. Die Mannschaft vom damaligen Trainer Ralf Rangnick spielte in der Saison 1999/2000 exakt eine davon. Und gewann alle drei Spiele. Macht einen Punkteschnitt von neun Punkten in drei Spielen! Der FC Bayern München kommt derweil bei 41 Englischen Wochen gerade einmal auf 6,5 Punkte. Lachhaft! 

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