Ancelottis Probleme bei Real

Friedensstifter mit Kriegsbeil

Meisterschaft futsch, Pfiffe von den Rängen und umstrittene Personalentscheidungen: Vor dem Rückspiel gegen Juve herrscht dicke Luft bei Real Madrid. Mittendrin: Carlo Ancelotti.

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Sami Khedira reiste am vergangenen Wochenende nach Mallorca. Dort traf er seinen Berater, angeblich machten sie sich gemeinsam Gedanken, wie es mit der Karriere des deutschen Nationalspielers weitergehen soll. Oder besser gesagt: Wo es mit der Karriere weitergehen soll. Gelsenkirchen, Schalke 04 dürfte ein Thema gewesen sein. Vielleicht auch der FC Arsenal. Deutschland? England? Italien? Hauptsache weg aus Spanien.

Es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, dass Khedira nach fünf Jahren bei Real Madrid nun froh ist, bald woanders zu sein. In den Überlegungen von Trainer Carlo Ancelotti spielt er längst keine Rolle mehr. Da ist es auch gleich, ob er nun wie heute beim Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Juventus Turin offiziell aus Verletzungsgründen fehlt. Gesund hätte er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht gespielt.

Heftige Kritik am Trainer

Carlo Ancelotti hat in jüngerer Vergangenheit viel ausprobiert im defensiven Mittelfeld, ohne Khedira wirklich in Betracht zu ziehen. Dabei würde er als Sechser gerade, sofern gesund, dringend gebraucht. Es ist die Postion, die Real Madrid nach der Verletzung von Luka Modric die größten Probleme bereitet in dieser entscheidenden Saisonphase.

Die Kritik am Trainer fiel heftig aus nach dem 1:2 in Turin vor einer Woche. Weil Ancelotti etwas gewagt hatte, das bei Gelingen als genialer Schachzug gefeiert und bei Misslingen als grober Unfug, als verkopfte Idee, gegeißelt wird. So kam es dann auch. Der Italiener hatte Sergio Ramos ins defensive Mittelfeld beordert, als Absicherung für Spielgestalter Toni Kroos. Nichts wirklich Neues, alles schon erprobt in der Vergangenheit und für gut befunden. Zuletzt im Rückspiel gegen den Stadtrivalen Atletico. In Turin aber machte Ramos sein schlechtes Spiel seit langer Zeit. Er kam oft zu spät, stand zu weit von den Gegenspielern weg und verzettelte sich im Spielaufbau. Mitte der ersten Halbzeit betrug seine Passquote schwache 70 Prozent. Klar, dass er später als einer der Hauptschuldigen an der Niederlage ausgemacht wurde. Selbst Ancelotti sagte: »Sergio hat ungewöhnlich viele Fehler gemacht.«