Am Bodensee wächst eine neue Fußballmacht

Lindau – das neue Leipzig?

Der 68-Jährige ist eng verwurzelt mit seiner alemannischen Heimat. Vor 18 Jahren entschied er sich, an den Bodensee zurückzukehren, um seine Klinik aufzubauen. Davor war er in der ganzen Welt unterwegs, studierte, lernte Operationstechniken und baute sich ein Netzwerk auf. Nun also Fußball. Will sich da jemand den nächsten Retortenklub aufbauen? Der Professor verneint: »Wir bezeichnen uns nicht als Klein-Hoffenheim oder Klein-Leipzig. Ich kenne Dietmar Hopp, vergleiche mich aber in keiner Weise mit ihm. Trotzdem wollen wir den Verein professioneller machen. Ich sehe, dass das viel Arbeit ist. Aber wenn ich etwas mache, dann richtig.« Der Name »Mang« zieht. Mehrere lokale Sponsoren konnten bereits an Land gewonnen werden. In den Halbzeitpausen von Heimspielen fahren Autos eines bayrischen Herstellers vor. Beim Topspiel am 4. Spieltag waren 500 Zuschauer im Stadion. In der vergangenen Saison verirrten sich höchstens 50 Leute auf dem Lindauer Platz. Ligakonkurrenten wären mit 100 Zuschauern mehr als zufrieden.

»Die ganze Stadt ist in Aufbruchstimmung. Alle reden über Fußball«, erzählt Mang. Er träumt von glorreichen alten Zeiten, in denen das Lindauer Publikum hochklassigen Fußball zu sehen bekam. In den sechziger und siebziger Jahren war die SpVgg Teil der legendären Schwarzwald-Bodensee-Liga, die zur damaligen Zeit die dritthöchste deutsche Spielklasse war. Als zu einem Testspiel 1860 München in Lindau auflief, kamen 10 000 Zuschauer. »Dieses Bild habe ich immer noch im Kopf« schwärmt Mang, der im Jubiläumsjahr 2019 den FC Bayern an den Bodensee lotsen möchte. Während ehemalige Ligakonkurrenten wie der FV Ravensburg oder der SSV Reutlingen heutzutage immerhin in der fünftklassigen Oberliga spielen und zu überregionalen Fußballmächten zählen, dümpelt die SpVgg Lindau seit Jahrzehnten in den Untiefen der Kreisklasse herum. Vom Potenzial her sieht sich Mang mit diesen Vereinen auf Augenhöhe.

»Wir brauchen einen Kreisliga-Aubameyang«

Während seiner dreijährigen Vorstandschaft will er den Verein in die Landesliga führen. Sprich: Zweimal aufsteigen in drei Jahren. Für dieses Vorhaben soll Mang einen fünfstelligen Etat einplanen: »Anders kommst du heutzutage selbst in der Kreisliga nicht mehr nach oben.« Coach Gemaljevic ist festangestellt, kümmert sich neben der ersten Mannschaft auch um die Belange der Nachwuchsteams. Eine Handvoll neuer Spieler wurde vor der Saison verpflichtet. Alle haben bereits höherklassig gespielt. Wer einen lockeren Durchmarsch erwartet hat, dürfte allerdings enttäuscht sein. Das erwähnte Topspiel gegen den VfL Brochenzell ging mit 0:1 verloren. Nach fünf Spieltagen steht die SpVgg mit zwölf Punkten auf dem zweiten Platz, der lediglich zur Bezirksliga-Relegation berechtigt. »Wir schießen vorne zu wenig Tore. Wir brauchen einen Kreisliga-Aubameyang«, schmunzelt Mang.