Am Bodensee wächst eine neue Fußballmacht

Der Hoeneß von Lindau

Werner Mang ist einer der bekanntesten Schönheitschirurgen weltweit. Vor kurzem hat er einen Fußballverein übernommen – in der 9. Liga. Reiner Calmund stand mit Rat und Tat zur Seite.

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Wenn in Lindau vom »Professor« gesprochen wird, wissen alle, wer gemeint ist. Die Rede ist von Werner Mang, dem bekanntesten Sohn der 25 000 Einwohner großen Kreisstadt am Bodensee und seines Zeichens Schönheitschirurg. Seine Bodenseeklinik ist Europas größte Schönheitsklinik für ästhetische und plastische Chirurgie. In 50 Betten kommen regelmäßig Prominente und Gutbetuchte unter, lassen sich Nasen begradigen, Fett absaugen und Brüste vergrößern. So weit, so gut. Seit Anfang des Jahres kursierten wilde Berichte über ein bevorstehendes Engagement beim örtlichen Kreisligisten, der SpVgg Lindau, die in der abgelaufenen Saison knapp dem Abstieg in die niedrigste Spielklasse entkam. Lindau liegt in Bayern, ist aber dem württembergischen Fußballverband angehörig. Die »Schwäbische Zeitung« berichtete über eine finanzielle Unterstützung und einen Einstieg in den Vorstand der SpVgg, den der bisherige Vorsitzende Mario Loy umgehend als »noch nicht spruchreich« bezeichnete. Sogar 11FREUNDE beteiligte sich an den Spekulationen mit einer Bildergalerie.

Ein Kreisligist mit Profistrukturen

Am Tag der Jahreshauptversammlung selbst herrschte noch Unklarheit. Stellt sich der Professor zur Wahl? Kommt er oder kommt er nicht? Das Ergebnis: Prof. Dr. Dr. med. habil. Werner L. Mang wird einstimmig zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Mit im Gepäck: Sportvorstand Karsten Krannich, der Ende der achtziger Jahre drei Spiele für den SSV Ulm in der 2. Bundesliga bestritt, einen Marketingvorstand, einen Sportlichen Leiter und Trainer Srdan Gemaljevic, der Stationen in der österreichischen Bundesliga und der iranischen 1. Liga in seiner Vita vorweisen kann. Was zur Hölle hat der Mann vor? Was bewegt diesen Mann, der regelmäßig neben Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß Spiele des FC Bayern im VIP-Bereich der Allianz Arena verfolgt, das Ruder bei einem erfolglosen Amateurklub zu übernehmen?

»Ich konnte mir keine Torwarthandschuhe leisten«

Werner Mang empfängt seine Gäste in seinem berühmten Büro in der Bodenseeklinik. Hunderte eingerahmte Bilder starren auf den Besucher herab. Prominente aus der ganzen Welt geben sich im beschaulichen Lindau die Klinke in die Hand. Im Arbeitszimmer stehen Pokale aus Mangs aktiven Sportzeiten. Er spielte erfolgreich Tennis, wurde schwäbischer Meister und schlug für die bayrische Landesauswahl auf. »Ich bin von Natur aus ein Einzelkämpfer, kein Teamplayer«, sagt Mang. Dennoch war er bis zu seinem 16. Lebensjahr Torhüter bei der SpVgg Lindau. Fußballschuhe und Torwarthandschuhe konnte er sich nach eigener Aussage nicht leisten. Dies sei auch ein Grund, warum er nun etwas zurückgeben wolle: »Wir hatten innerhalb des letzten halben Jahres 80 Jugendliche, die in den Verein eingetreten sind. Sie sind wieder stolz, für die SpVgg Lindau zu spielen.«

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