Als Werder die Bayern zum bisher letzten Mal demütigte

Das rote Gesicht von Uli Hoeneß

In der 72. Minute gelang Tim Borowski das 1:5. Borowski war gerade erst zu den Bayern gewechselt. Mir tat er in diesem Moment ein wenig leid. Aber auch nur für zwei Sekunden. Dann spielte sich Bayerns Stadion-DJ in unsere Herzen, als er allen Ernstes den Anschlusstreffer in dieser denkwürdigen Peitsche mit der Torhymne vom »Zillertaler Hochzeitsmarsch« unterlegte. Hinter, vor und neben uns schäumten lederhosentragende Bajuwaren ob dieser vollkommen unpassenden Jubelarie und plötzlich tanzte der komplette Werder-Block zum besagten Hochzeitsmarsch. Wir feierten dieses Spiel, die Glückseligkeit eines Sensationserfolgs, Klinsis Rumpeltruppe, die sich immer mehr rötende Gesichtshaut von Uli Hoeneß, selbst das verdammte Zillertal.

Habe ich eine Hirschleder-Allergie?

Fünf Minuten vor dem Abpfiff schoss Borowski auch das zweite Bayern-Tor. Da hatten wir längst die innere Polonaise angestimmt. Die führte uns später selbstverständlich direkt aufs Oktoberfest. Den alten Backenbart-Bayer, der sich direkt neben uns mit Schnupftabak und Maßkrug ins Nirvana katapultierte, fand ich großartig. Den Rest irgendwie scheiße. Vielleicht habe ich auch einfach eine Hirschleder-Allergie, wer weiß.

Das war 2008. Mittlerweile ergötzt man sich als Werder-Fan daran, wenn einem im Abstiegskampf zwei Siege in Folge gelingen, während Bayerns Ersatztorwart den vierfachen Marktwert unseres Kapitäns besitzt. Das 5:2, dieser letzte Sieg, ist längst Geschichte, eine verstaubte Randnotiz, abgelegt im Aktenschrank der Vergangenheit. Aber das Schöne am Fußball ist ja: es hindert einen niemand daran, diesen Aktenschrank von Zeit zu Zeit zu öffnen, um mal wieder ein wenig zu schwelgen. Und an ein Wunder zu glauben.