Als Uwe Seeler mit Cork Celtic fremdging

Einmal ist keinmal

Der grüne Fleck auf der blau-weiß-schwarzen Vita: HSV-Legende Uwe Seeler spielte nach seiner Zeit in Hamburg für einen irischen Klub. Allerdings nur, weil er reingelegt wurde.

imago

An Uwe kam niemand ran. Nicht Manni Kaltz, nicht Horst Hrubesch, nicht Felix Magath. Uwe Seeler war »Uns Uwe«, der Junge, der 1946 als zehnjähriger Buttje zum ersten Mal den Rasen des Rothenbaums betrat und im April 1972 vor 70.000 im Volksparkstadion gegen den VfB Stuttgart seine Karriere beendete. Der Stürmer, der 404 Tore in 474 Spielen schoss, der mit dem HSV 1960 Meister und 1963 DFB-Pokal-Sieger wurde. Dessen Vater »Old Erwin« hieß und eine Legende beim HSV war.
 
1961 lehnte Uwe sogar mal ein Angebot von Inter Mailand ab. Er hätte 900.000 Mark Handgeld bekommen. Eine astronomische Summe für damalige Verhältnisse. Drei Tage saßen Uwe Seeler und Startrainer Helenio Herrera zusammen. Danach holte der Hamburger Rat bei seinen engsten Vertrauten ein »Denk dran, Uwe, hier bist du zu Hause, hier lieben dich alle«, sagte HSV-Trainer Günter Mahlmann. »Sie sind kein Typ, den man ins Ausland schicken kann«, fand DFB-Trainer Sepp Herberger. Nur Ilka, die Gattin, riet: »Uwe, wie immer du dich entscheidest, ich mache mit.«

Seeler und der HSV: »Für immer und ewig«

Einen Tag später sagte Seeler ab, und Herrera war fassungslos: »So etwas habe ich noch nie erlebt.« Doch Seeler bereute seine Entscheidung nie. »Ich war ein Sicherheitsmensch«, sagte er. Und die Presse jubelte: »Seeler bleibt HSVer – für immer und ewig.« Uwe war das Idol, der Kapitän, der Sportsmann. Er war der Treueste der Treuen.
 
Die Sache ist nur: Es gibt da einen kleinen grün-gelber Fleck in der sonst so blau-weiß-schwarzen Vita des Uwe Seeler. Er datiert auf das Jahr 1978. Seeler war zu diesem Zeitpunkt 42 und seit sechs Jahren Fußballrentner. 1972 hatte er noch ein letztes Mal zu einem fulminanten Abschiedsspiel geladen, und alle waren gekommen: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Eusebio, Gordon Banks, Bobby Moore, Bobby Charlton, Gianni Rivera und sogar der nordirische Exzentriker George Best. 71.000 Zuschauer verabschiedeten den Treuesten der Treuen in den Ruhestand – oder besser: in ein neues Leben, denn fortan widmete Seeler voll und ganz seinem Job als  Vertreter für die Sportartikelfirma Adidas.

Ein nettes Spielchen in Cork?

Diese trat im Frühjahr 1978 an Seeler mit der Bitte ran, ein Benefizspiel in Irland zu spielen. Genauer gesagt: für den Cork Celtic FC. Gegner war der zehnmalige Meister Shamrock Rovers. Seeler sagte zu, denn es hörte sich nach einem netten Spielchen an. Zumal auch sein ehemaliger Mitspieler Franz-Josef »Bubi« Hönig, der ebenfalls für Adidas arbeitete, dabei war.
 
Der Cork Celtic FC war Mitte der Siebziger eine große Nummer im irischen Fußball. 1974 wurde er erstmals Meister, in der darauffolgenden Saison erreichte er im Europapokal der Landesmeister das Achtelfinale. Im Frühjahr 1978 dümpelte Cork jedoch im Grau der Liga umher – die Abstiegsränge waren bedrohlich nah gekommen.