Als sich Bremen und der HSV viermal nacheinander duellierten

»Ich kann Bremen nicht mehr sehen«

VIERTER AKT/EPILOG

10. Mai 2009, Bundesliga,
31. Spieltag

Der Hamburger SV ist gebrochen, schon vor dem Anpfiff gebrochen. Müde, leere Gesichter im Spielertunnel des Weserstadions, binnen neunzehn Tagen um ebenso viele Jahre gealtert. Paulo Guerrero starrt die Grünen an, als sähe er Gespenster. Es braucht keine prophetische Gabe, um zu erkennen, dass die Elf von Martin Jol im vierten, letzten Aufeinandertreffen nichts mehr holen wird. Warum noch mal kämpfen, wenn der wichtigste Kampf bereits verloren ist?

Zum Anpfiff bricht die Sonne durch das Wolkenband und bescheint diese vier Spiele, trocknet sie ein in den Almanach des Fußballs. Werder Bremen kombiniert unbeschwert. Es ist auch ein letztes Halleluja dieser Mannschaft, die Großes geleistet hat in den Nullerjahren, dem FC Bayern getrotzt, einen Hurrastil geprägt, und die so nie wieder zusammenspielen wird. Juventus Turin buhlt um Diego, Pizarro ist nicht zu halten, Frings und Baumann stehen im Karriereherbst.

Höchstgebot für die Papierkugel: 4510 Euro

»Ich kann Bremen nicht mehr sehen«, ätzt Martin Jol nach dem Spiel, das Hugo Almeida mit zwei Toren entscheidet. Am Ende der Saison, die zu einer der größten in der Hamburger Vereinsgeschichte hätte werden können, aber in der Katastrophe mündet, wirft der Niederländer hin. »Sat.1« auktioniert die Papierkugel bei eBay, Höchstgebot 4510 Euro, schließlich wird sie dem Vereinsmuseum des SV Werder gestiftet. Dort liegt sie bis heute, hinter Glas, und sieht ziemlich harmlos aus.