Als sich Bremen und der HSV viermal nacheinander duellierten

Das Weserstadion stöhnt

ZWEITER AKT

30. April 2009, UEFA-Pokal,
Halbfinale, Hinspiel

»Es muss jetzt endlich mal ein Titel her«, hat Bernd Hoffmann im Boulevard gepoltert. »Es kann nicht sein, dass wir zweimal vor dem Finale scheitern«, wird David Jarolim zitiert. Der HSV reist stolz, trotzig, erwartungsschwanger an die Weser, 125 Kilometer Strecke, ein Donnerstag, schon wieder Regen.

Natürlich geht es bei Spielen zwischen Bremen und Hamburg um mehr als die Spiele selbst. Das Derby funktioniert als Stellvertreterkrieg; die Vereine, Spieler, Fans, sie alle werden zu Herolden ihrer Heimat. Hamburg: groß, reich, schön. Bremen: klein, pleite, hässlich. Es geht um Klischee und Wirklichkeit. Um Minderwertigkeitskomplexe und Hybris, ausgetragen mit den Mitteln des Fußballs.

Werder Bremen findet keine Antwort mehr

Diesmal versteckt sich der HSV nicht. In der 28. Minute kontert Pitroipa, und das Weserstadion stöhnt, Böses ahnend, eine weite Flanke an den zweiten Pfosten, wo der gnomgroße Trochowski, von Fritz völlig vergessen, einköpft.

Nach der Halbzeit unterbricht Howard Webb, weil es im Gäste-Sektor fackelt. Werder Bremen findet keine Antwort mehr, vergibt selbst beste Chancen, und die Roten tanzen vor ihrer Kurve. Nach zwei von vier Spielen steht es remis. Thomas Schaaf brummelt mit gefurchter Stirn durch die Interviewzone. Er hat Geburtstag.