Als Leipzig ins Europapokalfinale einzog

»Wir haben viel Mist gemacht«

Das alles klingt ziemlich gruselig, doch vielleicht – Müller, Scholz und Thomale sind sich da sogar ziemlich einig – hat es eine paradoxe Reaktion zur Folge gehabt. »Unter diesen Umständen würde heute kein Profi mehr weitermachen«, glaubt René Müller, »aber bei uns hat sich daraus ein bestimmter Geist entwickelt.«

Ein Geist, gespeist aus Trotz und einer situationsbedingten Lockerheit, irgendetwas zwischen Wir hatten keine Chance, doch wir nutzten sie und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. »So ein Krankenhausaufenthalt schweißt ja auch zusammen«, sagt Heiko Scholz. »Wir haben viel Mist gemacht.«



Gleichwohl kommt Lok Leipzig schwer in die Saison und krebst zunächst gar am Tabellenende herum. Nur im Europapokal läuft es von Anfang an. In der ersten Runde schalten die Leipziger ohne Probleme Glentoran Belfast aus Nordirland aus, in der zweiten treffen sie auf das höher eingeschätzte Team von Rapid Wien. Die Favoritenrolle nehmen die Wiener gerne an, schließlich haben sie zwei Jahre zuvor Dynamo Dresden im Pokalsiegercup mit 5:0 nach Hause geschickt.

»Die waren gegen uns praktisch schon vorher eine Runde weiter«, sagt Thomale. »Ich habe mir damals immer die Zeitungsausschnitte kommen lassen, und Rapid hatte im Vorfeld ein Schild in die Kabine gehängt, das an den Kantersieg gegen Dresden erinnerte. Den Ausschnitt habe ich meinen Jungs natürlich gezeigt.«

»Rapid hat Lok nicht für voll genommen«

Die Truppe von Trainer Otto Baric ist tatsächlich nicht frei von einer gewissen Überheblichkeit, wie sich auch Heiko Scholz erinnert: »Rapid hat Lok nicht für voll genommen. Bereits beim Aufwärmen wurden wir wegen unserer komischen blauen Trainingsanzüge belächelt.«

Doch in den beiden engen Spielen vergeht den Österreichern das Lachen. Nach einem 1:1 in Wien gewinnt Lok Leipzig das Rückspiel vor 20.000 Zuschauern im riesigen Zen­tralstadion bei Schmuddelwetter mit 2:1 nach Verlängerung und steht im Viertelfinale.

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Dieser Text ist ein Ausschnitt aus der Reportage »Die Lok fliegt hoch«. Der kompletten Artikel lest ihr im 11FREUNDE-DDR-SPEZIAL »Fußball im Wilden Osten«: Jetzt am Kiosk und bei uns im Shop sowie in digitaler Version im iTunes- und Google-Play-Store.