Als Jeremies das beste Spiel seiner Karriere machte

Salihamidzic ist »14 Tage besoffen« - Jeremies nicht

Bastian Schweinsteiger, im WM-Finale 2014 selbst zum Ritter geschlagen, erinnert an Momente purer Entschlossenheit. »Jens Jeremies hat mir imponiert«, preist Schweinsteiger, »er hat seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt, weil sein Wille so groß war, unbedingt den Titel zu holen«.
 
Ja, die Gesundheit. Das 2:1 über Real ist Jeremies‘ letztes Champions-League-Spiel der Saison. Das Knie hat den Raubbau nicht verziehen, es meldet sich mit Symptomen, so akut, als schrille eine Sirene. Das Hitchcock-Bundesligafinale (#MeisterDerHerzen) sieht Jeremies in zivil, vor dem Champions-League-Showdown am 23. Mai gegen Valencia will er es mit Gewalt zwingen. Und beugt sich dem Körper. »Für mich persönlich ist das ganz bitter. Aber man kann es sich nicht aussuchen im Leben.« #TragischerHeld
 
Kahn faustet Bayern zur Mailänder Himmelfahrt. Jeremies wandelt auf dem Rasen, aber erneut in einem Klub-Outfit ohne Rückennummer. Nicht einmal den Feier-Marathon kann er mitmachen. Ein paar Bayern-Profis zieht es nach Las Vegas, »ich war 14 Tage besoffen«, gluckst Hasan Salihamidzic in der »AZ«. Der Initiator fehlt: »Jerry hatte alles organisiert, konnte aber nicht mit, weil er ins Krankenhaus musste«, erzählt Salihamidzic.
 
Nie mehr Form und Fitness von 2001
 
Zur neuen Saison soll alles bereinigt sein. Eine trügerische Annahme. Anfang Juni wird Jeremies eine Zyste entfernt, im Juli, zur Sommervorbereitung, arbeitet er individuell-dosiert. Immer noch. Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt muss Spekulationen dementieren, wonach die Karriere bedroht sei; Jeremies habe »keine Infektion«, sondern eine »unspezifische Reizung des rechten Kniegelenks«.
 
Der #Wadlbeißer ist 27, heute ein Alter, das hier und da verstecktes Stirnfaltenzucken provoziert. Damals nicht. Jeremies, Kampf statt Kunst, eh klar, betont unumwunden, »beim FC Bayern wieder eine bestimmende Figur werden« zu wollen. Im Oktober trainiert er mit dem Team, Mitte Dezember wird er bei einem Pokalspiel gegen Osnabrück in der 86. Minute für Niko Kovac eingewechselt - das Comeback, nach sieben Monaten. Jeremies schafft es zur WM 2002 und spielt 77 Minuten des Finales. Im Anschluss an die EM 2004 hört er beim DFB auf, nach 55 Einsätzen mit dem Adler, 2006 ist komplett Schluss. Mit 32.
 
An Form und Fitness von 2001 reicht er nie mehr heran. Die Sehnsucht vom Champions-League-Triumph hat ihn angetrieben, einst gegen Real, sie hat ihm obendrein sechs Meistertitel, vier DFB-Pokale und ein gepolstertes Bankkonto beschert, aber auch einen hohen Preis abverlangt: fünf Knie-Operationen, Schmerzen trotz Schmerzmittel. Grund zur Reue? Nein. »Ich war bereit, viel zu riskieren. Es hat sich alles gelohnt«, insistiert Jeremies.
 
Als der FC Bayern 2012 gegen Chelsea sein Drama dahoam erleidet, pfercht Uli Hoeneß die Lippen zusammen: »Ich habe keinen Jens Jeremies gesehen, der dem Gegner schon beim Einlaufen in die Waden beißt.« Twitter, anyone?

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