Als Irland Deutschland die WM 1994 versaute

Mario Basler oder der Geist von Malente?

Wer kann heute schon sagen, wer am mangelnden Teamgeist die Hauptschuld trug? Berti Vogts, weil er so kurz vor dem Turnier lediglich Mittelfeldmann Andreas Möller eine Stammplatzgarantie ausgesprochen hatte? Die alten Silberrücken um Matthäus, Völler, Sammer oder Klinsmann, die schon zu viel gewonnen hatten, als dass sie sich nun noch einmal zum Wohle der Mannschaft hinter eine dringend benötigte Führungspersönlichkeit scharen wollten? Der notorische Stinkstiefel Mario Basler, weil er Tage vor dem Irland-Spiel öffentlich mit dem Interesse von Atletico Madrid prahlte (»Ich habe eine Klausel im Vertrag, wonach ab sechs Millionen Mark verhandelt wird!«)? Oder doch Malente, jene sagenumwobene Sportschule, in der angeblich ein »Geist« hauste, der zerstrittene Fußball-Mannschaften zu gut geölten Turniermaschinen formen konnte?

Zumindest Malente bekam nach dem 0:2 gegen Irland sein Fett weg. »Was das mit dem Geist soll«, rüffelte Rudi Völler, »habe ich noch nie kapiert.« Und ausgerechnet Berti Vogts gab zu: »Ich war schon sehr oft hier, aber ich suche den Geist noch immer.« So konnte man natürlich nicht Weltmeister werden.

Uwe schaut in die Glaskugel

Das wollte 1994 allerdings noch niemand wahrhaben. Weil seine Truppe zu Ehren von Geburtstagskind Thomas Häßler im Mannschaftsbus pflichtschuldig Gratulationen heruntergesungen hatte, wollte Berti Vogts gleich erkannt haben, dass man »da den Teamgeist deutlich gespürt hat«.

Noch zuversichtlicher bzw. realitätsferner war da nur Ehrenspielführer Uwe Seeler. Uns Uwe, der gute Geist des deutschen Fußballs, beruhigte die aufgebrachte deutsche Öffentlichkeit mit einem Blick in die hauseigene Glaskugel: »Ich erwarte ein Finale in Los Angeles zwischen Deutschland und Brasilien. Unsere Mannschaft besitzt einfach ein zu gutes spielerisches Material.« Ach, Uwe.