Als ich (nicht im Bild) plötzlich wählen musste

»Ich habe für dich gestimmt!«

Was ich aber weiß: Ich bin jetzt Teil einer Jahrzehntealten Tradition, einer Tradition, die elementarer Bestandteil meiner Affenliebe zum Fußball ist. Der »Spieler des Jahres«. Ausgezeichnet vom »Kicker«. Hach. Ich denke an Uwe Seeler, an Günter Netzer, Gerd Müller, Rudi Völler, Ailton. Individuelle Auszeichnungen in einem Mannschaftssport sind eigentlich Humbug. Aber wer kann sich schon gegen den Reiz der Wahl zum besten Fußballer der Saison verwehren? Ich jedenfalls nicht.

Soll ich Pizarro wählen?

Noch sind die Zettel leer. Ich schwanke zwischen seriösen oder von Herzen kommenden Entscheidungen. Es wird die Wahl sicherlich nicht nachträglich beeinträchtigen, wenn ich Claudio Pizarro auf den Zettel schreibe, aber bei meiner ersten Wahl will ich doch auch Namen nennen, die es wirklich verdient hätten, zum besten Fußballer der Saison gekürt zu werden.

Ich werde also noch etwas grübeln. Mich beratschlagen. Die Wahl wirklich ernst nehmen. Und dann fieberhaft auf die endgültige Entscheidung warten. Wenn dann Spieler x auf mich zukommt, vielleicht auf der nächsten Pressetribüne oder Veranstaltung, werde ich mich aus einem Pulk neuer Journalistenfreunde lösen, ihn zur Seite nehmen, ihm zuraunen: »Ich habe für dich gestimmt!« und dann verschwörerisch zuzwinkern.

Vielleicht werde ich mich danach kurz schämen müssen. Aber das war es dann bestimmt wert. PS: Noch jemand anständige Tipps zur Fußballerin des Jahres?