Als Gladbach als erste Bundesligamannschaft nach Israel reiste

Spielen, um nicht zu vergessen

Fußball ist mehr als nur ein Sport. Dieser Satz wurde leider so oft gesagt, dass viele nicht mehr an ihn glauben. Die Geschichte des ersten Spiels einer deutschen Mannschaft in Israel 1970 ist der Beweis dafür, dass er manchmal trotzdem stimmt.

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Die Geschichte beginnt mit der engen Freundschaft zwischen zwei Personen. Die Gladbacher Trainerlegende Hennes Weißweiler, von 1957 bis 1970 Dozent an der Sporthochschule in Köln, lernte dort den jüdisch-israelischen Absolventen Emanuel Schaffer kennen. Dieser hatte seine Kindheit in Recklinghausen verbracht, bevor er mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten erst nach Polen und dann alleine nach Kasachstan fliehen musste.

In dieser schweren Zeit sorgte sein fußballerisches Talent dafür, dass abends eine Extraportion auf seinem Tisch landete. Nach Ende des Krieges gelangte er über Umwege nach Israel und setzte dort seine ballspielende Karriere fort, bis er aufgrund einer Beinverletzung seine aktive Zeit als Profi beenden musste. Mit dem Fußball brach er nicht und kehrte 1958 nach Deutschland zurück, um in Köln eine Trainerausbildung zu absolvieren.

Kann das gutgehen?

Die Freundschaft pflegten Weißweiler und Schaffer auch noch nach ihrer gemeinsamen Zeit in der rheinischen Metropole. Schaffner war mittlerweile zum israelischen Nationaltrainer berufen worden und so gaben die beiden den Anstoß zur Vereinbarung eines Freundschaftsspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und der israelischen Nationalmannschaft.

Ein Fußballspiel einer deutschen Mannschaft in Israel – konnte das gutgehen? Fünf Jahre zuvor hatten die beiden Staaten offiziell diplomatische Beziehungen aufgenommen. Für viele Israelis ein Skandal. Am Tag der Vorstellung des deutschen Diplomaten wurde dieser von Demonstranten mit Eiern und Tomaten beworfen. »Acht Millionen Gründe es nicht zu tun« stand damals auf den Transparenten der wütenden Masse.

Skepsis regiert

Abgesehen davon war die Sicherheitslage in Israel damals wie heute angespannt, der Sechs-Tage-Krieg nur drei Jahre her. Zu Beginn des Jahres 1970 war außerdem eine »Swissair«-Maschine auf dem Weg von Zürich nach Tel Aviv abgestürzt, weil eine palästinensische Terrororganisation eine Bombe an Bord geschmuggelt hatte, die in der Luft detonierte. Alle Passagiere starben.

»Die Mannschaft war sehr skeptisch und ist im ersten Moment nicht gerne nach Israel geflogen. Wir sind dann aber überredet worden«, erinnert sich Herbert Laumen, damals offensiver Mittelfeldspieler in Gladbach. Um die nötige Sicherheit zu gewährleisten, stellte die deutsche Bundesregierung der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach eine Bundeswehrmaschine zur Verfügung. Schon als die Räder des ausgefahrenen Triebwerks den Boden der Landebahn des israelischen Flughafens berührten, hatte man Geschichte geschrieben. Das erste deutsche Flugzeug, geziert mit dem »Eisernen Kreuz«, war gelandet.

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