Als der 1. FC Köln seine kurioseste Uefa-Cup-Saison spielte

»Wir mussten auf der Straße Rosen verteilen«

Sportlich war Waregem kein Gegner, dennoch dürfte das Rückspiel der Knackpunkt einer Furiosen FC-Saison gewesen sein. Nachdem es im Kölner Block zu Ausschreitungen gekommen war,  bekam der FC von der Uefa die Auflage, das Heimspiel des damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen Endspiels mindestens 350 Kilometer von der Domstadt entfernt austragen zu müssen. Bitter für die Fans und auch für den Verein, dem knapp zwei Millionen Mark an Einnahmen entgingen. Da mit Pierre Littbarski und Thomas Häßler zwei gebürtige Berliner im Kader und mit Georg Kessler ein ehemaliger Hertha-Erfolgscoach an der Seitenlinie stand, entschieden sich die Verantwortlichen für Berlin als Austragungsort, in der Hoffnung, so ein paar zusätzliche Fans ins Stadion locken zu können. 

Ein Versuch, der misslang. Zumal die Kölner das Hinspiel in Madrid mit 1:5 ordentlich in den Sand gesetzt hatten, trotz einer 1:0-Führung durch Klaus Allofs. Der Zuschauerandrang in Berlin hielt sich demensprechend in Grenzen. »Als PR-Maßnahme mussten wir Spieler am Spieltag noch über den Ku’damm laufen und auf der Straße Rosen verteilen, um Werbung für die Partie zu machen. Geholfen hat das nichts, es kamen nur 16000 Zuschauer«, erinnert sich Uwe Bein, der beim 2:0-Rückspielsieg das Führungstor erzielte. Trainer Keßler war sich sicher: »Unsere Niederlage begann aber schon mit dem Skandalurteil der Uefa in Zürich.«


Immerhin: Zwischen den beiden Endspielen konnte der FC im letzten Bundesligaspiel mit 3:0 gegen den VfL Bochum den Klassenerhalt sichern. In der Relegation, die letztlich Borussia Dortmund antreten musste, hätte Stadtrivale Fortuna Köln gewartet. Möglicherweise mit Zitronen und bereit zum Handgemenge.