Als der 1. FC Köln seine kurioseste Uefa-Cup-Saison spielte

Rosen für Real Madrid

Schubsereien mit Fans, Zitronen als Wurfgeschosse und Rosen auf dem Ku’damm: 1986 spielte der 1.FC Köln eine unglaubliche Uefa-Cup-Saison. Das Finale gegen Real Madrid ging in die Hose – auch wegen der Uefa.

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Am Mannschaftsbus war Schluss mit lustig. Gerade hatte der 1.FC Köln das Erstrunden-Rückspiel im Uefa-Cup mit 2:1 gegen Sporting Gijon gewonnen und war eine Runde weitergekommen, da platzte Toni Schumacher der Kragen. 90 Minuten lang waren die Kölner in Spanien einem echten Hexenkessel ausgesetzt gewesen. Hinter Schumachers Tor hing ein »Schumacher Bastardo«-Banner, zudem waren er und seine Kollegen derart ausdauernd mit Zitronen beworfen worden, dass Paul Steiner irgendwann eine aufsammelte und zurückfeuerte. Wofür er – die gute alte Zeit – nur Gelb sah. 

Aber am Mannschaftsbus war Schluss. Als eine aufgebrachte Fan-Meute den Kölnern nach dem Spiel auflauerte und das Team mit Tritten und Schlägen traktierte, warf »Schumacher seinen Walkman und die Sporttasche in den Bus und setzte sich zur Wehr«, wie der »kicker« atemlos berichtete. Mit dem Resultat, dass sich die gesamte Kölner Mannschaft in einem leidenschaftlichen Handgemenge mit den anwesenden Krawallmachern wiederfand. »Wenn ich angegriffen werde, setze ich mich zur Wehr«, so Schumacher im Anschluss lapidar.

32 Stunden Fahrt nach Hammarby

In vielerlei Hinsicht war die Uefa-Cup-Saison 1985/86 ein krasser Gegensatz zu dem, was der 1.FC Köln in der Bundesliga ablieferte. Denn während der FC in der Liga von Niederlage zu Niederlage stolperte und bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfte, waren die Spiele auf europäischem Parkett ein ums andere Mal Highlights. Und das gleich aus diversen Gründen. Dem Spiel samt Schlägerei gegen Gijon folgten zwei Fußballfeste gegen Bohemians Prag, die der FC mit 4:0 und 4:2 schlug. Anschließend ging es zu Hammarby IF nach Schweden. Der Wintereinbruch überraschte dabei vor allem den Fan-Bus der Kölner, der quälend lange 25 Stunden hin- und 32 Stunden zurückfuhr. 

Das Rückspiel in Köln zwei Wochen später hätte dann um ein Haar wegen dichten Nebels nicht stattfinden können. Aber Dieter Grauer, der damalige Leiter des Kölner Sport- und Bäderamtes, hatte die Idee, riesige Öllampen an den Ecken der Arena aufstellen zu lassen, und sorgte damit tatsächlich noch für freie Sicht. Köln gewann 3:1, und so langsam machte sich die Erkenntnis breit, dass man europäisch möglicherweise etwas Großes erreichen konnte. Zumal als im Achtelfinale Sporting Lissabon souverän geschlagen wurde und aus den drei verbliebenen möglichen Gegnern die Belgier des KSV Waregem zugelost wurden, und nicht Real Madrid oder Inter Mailand. 

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