Als BVB-Fan in Warschau

»Legia ist kaputt«

Reisewarnung Ost: mit den Fans von Borussia Dortmund beim Auswärtsspiel gegen Legia Warschau. Choreos und Nutten inklusive.

Imago

Draußen fliegt die Warschauer Nacht vorbei. Lichter. Lichter. Lichter. Das Stadion von Polonia Warschau. Der Fahrer blättert durch seine Notizen. Es geht immer aus der Stadt raus. Aber wie? Lichter. Lichter. Lichter der Stadt. Neonfarben, dann nur noch vereinzelt. »Legia kaputt!«, sagt er und seine Hände fliegen durch die Luft. Geld, Geld, Geld. Mit beiden Händen zum Fenster rausgeschmissen.

Das Problem mit den Legia-Fans

Sprache ist ein scharfes Schwert. Legia kaputt. Weil der Ballspielverein sie zerstört hat. Weil sie dem Standard der Champions League nicht gewachsen sind. Weil ihr Kader keine Tiefe hat. Weil sie die erste polnische Mannschaft in der neuen Champions League sind. Weil es einfach nicht ausreicht. Weil es eine Demütigung war.

Weil ihre Fans ein Problem haben.

Dementi aus Warschau: 2.08 Uhr.
»1. Die Medienberichte, laut denen die Fans von Legia auf den Rängen ›Juden Juden BVB‹ skandiert hätten, entsprechen nicht der Wahrheit. Stattdessen sangen die Zuschauer ›Nutten Nutten BVB‹, ein für den BVB und für seine Fans ebenfalls beleidigender Gesang, den auch die Fans anderer deutscher Mannschaften singen; dieser Gesang hat jedoch keinen rassistischen oder antisemitischen Hintergrund. Trotzdem möchten wir uns von ganzem Herzen bei sowohl den deutschen als auch den polnischen Fans von Borussia Dortmund entschuldigen, die sich dadurch angegriffen fühlen.«

»Legia ist kaputt!«, wieder der Taxifahrer. Oder sagt er: »Legia ist ganz gut!«?

Die Sache mit der Sprache.

Verhasst wie der FC Bayern

Da war diese Reisewarnung. Kein BVB-Fan soll sich mit einem BVB-Trikot in der Stadt zeigen. Alle Fans sollen sich direkt zum Auswärtsblock begeben, nicht über die Stadt gehen. Sicher ist sicher.

»Die Fans haben einen Deal mit dem Verein. Ihr unterstützt uns, wir lassen euch ein paar Dinge durchgehen«, sagt Chris Lash. Er arbeitet an der Warschauer Universität. Er ist schon lange hier. Er kennt den polnischen Fußball. Wir sitzen am Kulturpalast, der in der Septembersonne über uns strahlt. Lash arbeitet an einem Buch über die Geschichte des polnischen Fußballs.

»Legia ist verhasst wie der FC Bayern«, sagt er und erzählt aus der Geschichte des Vereins. Der Armee-Verein, der die besten Spieler des Landes abwirbt, der 1993 die Meisterschaft verliert, weil ein Sieg am letzten Spieltag zu hoch ausfällt. Der Verein, der diesen Titel immer noch führt. Mit einem Sternchen. Auf Plakaten vor dem Stadion, an dem dieses Sternchen auf der Erfolgslinie auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen verweist.  Auf den offiziellen Kanälen in den sozialen Medien. 1993 wurde Lech Posen Meister, am grünen Tisch. Dieser grüne Tisch existiert nicht.