Als Barmbek-Uhlenhorst in der Zweiten Liga spielte

Der Aufstand der Spieler

Im letzten Regionalligajahr vor dem Aufstieg, in der Saison 1973/74, wurde das Stadion voller, denn BU spielte gut, und Dörfel lockte nun auch Zuschauer aus den umliegenden Vierteln ins Stadion. Manchmal kamen über 4000 Zuschauer, und wenn er nicht seinen linken Fuß trainieren musste oder am Kopfballpendel auf und ab sprang, war auch Andi Brehme unter ihnen. Mittlerweile war er 13 Jahre alt und galt als das größte Nachwuchstalent Hamburgs. Trainer und Präsident waren sich einig: Brehme versprach eine goldene Zukunft für Barmbek-Uhlenhorst, an deren Anfang der Zweitligaaufstieg stehen sollte.

Das erste Fanutensil: ein blau-gelber Drache

Einer, der schon damals im Fanblock stand, ist Detlef Grandt. Der heute 57-Jährige ist ein redseliger Mann, mit Bäuchlein und einer beeindruckenden Fan-Vita. Gemeinsam mit Andi Brehme sah er, wie Charly Dörfel mal brillierte, mal fluchte und gegen Ende der Saison, nach einem Kabinenstreit, entlassen wurde. Sie sangen »Hi, ha, hu, HSV BU« und brachten bei einem Auswärtsspiel das erste Fanutensil ins Stadion: einen blau-gelben Drachen am Stock.

»Es war eine unbeschwerte Zeit«, sagt Grandt. »Die Zuschauer standen wenige Zentimeter hinter der Seitenlinie, vieles war unprofessionell und provisorisch, aber viel näher und familiärer als beim HSV.« Sinnbildlich für jene Jahre ächzte direkt am Eingang das Klubheim, eine Holzhaus, weswegen die Spieler anderer Vereine häufig über den »Barackenklub« spotteten. Zugleich versuchte der Trainer, Reinhold Ertel, das Amateurhafte aus seinem Team zu schreien. Spieler, die verletzt vom Feld getragen wurden, beschimpfte er, nach Niederlagen zerschlug er Glasaschenbecher an der Kabinenwand. Doch offenbar brauchten seine Spieler diesen harten Umgangston. Die Mannschaft qualifizierte sich für die neu gegründete Zweite Bundesliga Nord, und plötzlich ging es für Grandt, Brehme und die anderen Fans mit gemieteten Bussen in die Ferne. Nach Dortmund, Köln oder Essen.

»Viermal Training in der 2. Liga – da mache ich nicht mit«

Dabei glich der Aufstieg einer kleinen Sensation. Denn während Mäzen Hermann Sanne und die meisten Fans die 2. Bundesliga herbeigesehnt hatten, wollten einige Spieler partout nicht aufsteigen. Trainer Reinhold Ertel war kurz vor Saisonende sogar überzeugt, dass Mittelfeldspieler Ulrich Fastert konsequent gegen die Mannschaft gespielt habe. Sein Verdacht bestätigte sich, als Fastert in einem Interview sagte: »Viermal Training in der Zweiten Liga – da mache ich nicht mit. Dann spiele ich lieber in Hamburg.«

Fastert stand mit seiner Meinung allerdings nicht alleine da. Auch Spieler von anderen Vereinen blickten skeptisch auf die neue Zweite Bundesliga, denn sie sollten mit einem Mal unter Profibedingungen spielen und trainieren, mussten aber weiterhin ihre regulären Jobs ausüben. BU hatte mit Hermann Sanne einen Mäzen, doch dieser war eben ein pragmatischer Geschäftsmann und kein Goldesel. Die Gehälter der Spieler blieben im dreistelligen Bereich.

Als der DFB kurz vor Saisonstart den Wilhelm-Rupprecht-Platz für nicht zweitligatauglich erklärte, ging das Schlamassel richtig los. BU musste an den Hamburger Rothenbaum ziehen, Miete zahlen und einige Umbauten vorneh­men, etwa einen Zaun um den Platz errichten. »Wenn überhaupt, dann haben wir nur in dieser Umgebung eine Chance in der Zweiten Liga«, ließ man zwar verlauten, doch ehe man sichs in Barmbek versah, stand der Verein knietief im Dispo. Zumal er mit 4000 Zuschauern kalkuliert hatte, doch an den fremden Rothenbaum selten mehr als 2000 kamen.

Bittbrief an Helmut Schmidt

Im Winter 1974/75 vermeldete der Klub Verbindlichkeiten in Höhe von über 200 000 Mark. Zugleich wurde bekannt, dass Spieler und Trainer seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen hatten und zu Auswärtsspielen in privaten Autos reisen mussten. Geschäftsführer Klaus Fulda entließ sich sogar selbst und erledigte seine Arbeit nach Feierabend, um Geld zu sparen. Auch sportlich lief es nicht, bereits Ende November rutschte BU auf den letzten Tabellenplatz ab.

In der Winterpause versuchte der Klub, Geld aufzutreiben. Der Vorstand verschickte einen Bittbrief an Helmut Schmidt, schließlich sei der Bundeskanzler Barmbeker und ein »guter Schulkamerad« eines Vorstandsmitglieds gewesen. Doch Schmidt antwortete nie. Als er später einmal auf den Brief angesprochen wurde, sagte er: »Ich wusste ja nicht, wie schlecht es um den Verein steht.« Zugleich hatte BU auch beim Hamburger Senat um eine Bürgschaft gebeten, doch diese wurde wegen der finanziellen Probleme der Stadt abgelehnt.