Als 123 Tore nicht reichten

Die Zwei-Punkte-Regel

Wer mit der Drei-Punkte-Regel aufgewachsen ist, dem kommt die zu jener Zeit vorherrschende Zwei-Punkte-Regel wohl etwas seltsam vor. Das mag in erster Hinsicht an der Tatsache liegen, dass besagte Regel zwei Arten von Punkten vorsah. Plus- und Minus-Punkte. Am Ende entschied die Differenz zwischen beiden Punktesorten, wie weit vorne man in der Tabelle lag. Dabei wurden Siege mit zwei Plus-Punkten und keinem Minus-Punkt gewertet. Unentschieden mit jeweils einem Plus- und einem Minus-Punkt. Und für Niederlagen gab es dementsprechend zwei Minus-Punkte und keinen Plus-Punkt.

Das Problem an dieser Regel war, dass Siege weniger wert waren. Mit einem Unentschieden blieb die Differenz gleich, wieso also noch eine schmerzliche Niederlage riskieren? Wenn es kurz vor Ende 1:1 stand, ließen die Mannschaften das Spiel deshalb gerne locker ausklingen. Nicht so die Hertha 1981. Die war nur auf eines aus: Siege. Den Zuschauern wurden regelmäßig Spektakel geboten und bis kurz vor Ende der Saison konnte die »Alte Dame« vom Aufstieg träumen.

Keine Unentschieden

Und das war auch das Hauptproblem, wieso es in der Saison 1980/81 für die Hertha einfach nicht reichte. Neun Niederlagen standen 31 Siegen gegenüber. Hinzu kamen nur zwei Unentschieden. Viele dieser Spiele, allen voran die Niederlagen gegen die späteren Aufsteiger Bremen und Braunschweig im Saisonendspurt, wären jedoch vermeidbar gewesen, wenn Berlin eher ein Unentschieden hingenommen hätte. Insgesamt verlor man vier der neun Niederlagen in der Schlussphase, weil die Berliner Offensive bis zuletzt auf Sieg spielte. Bremens Trainer Otto Rehhagel freute sich regelrecht auf die Partien gegen Berlin: »Endlich brauchen wir nicht anzugreifen. Die Berliner stürmen und wir können kontern!« Ziemlich genau das passierte auch in den zwei Duellen, die Berlin gegen Bremen verlor.

Es ist schwierig zu erklären, wie eine Mannschaft nicht an sich selbst, sondern viel mehr an der Punkteregelung scheitern kann. Viel leichter ist es, Zahlen sprechen zu lassen: Die Hertha hatte zwei Siege mehr als Braunschweig. Und verlor nur drei Spiele mehr. Nach der Zählweise der Drei-Punkte-Regel wäre Hertha mit einem Punkt vor dem eigentlichen Zweiten Eintracht Braunschweig gelandet. Damit wäre zumindest die Relegation gegen den Zweiten der Süd-Liga perfekt gewesen.

Den Dritten beißen die Hunde

Niemanden wunderte es in Berlin deshalb, dass Hertha-Trainer Uwe Klimaschewski im Saison-Endspurt plante, bestimmte Spieler in den letzten beiden Spielen zu schonen, damit die Mannschaft in den Relegationsspielen komplett fit antreten konnte. Dumm nur, dass Braunschweig im Endspurt keinen einzigen Fehler machte und die beste Zweitliga-Offensive aller Zeiten damit nur auf Rang drei landete.

Der Hertha gelang der Aufstieg schließlich ein Jahr später. In der erstmals eingleisigen Zweiten Liga wurde man Zweiter hinter dem FC Schalke 04. An ihren Torrekord kam die Hertha allerdings nicht annähernd heran. Mit 84 erzielten Toren stellte man nicht einmal den gefährlichsten Sturm der Liga. Für den Aufstieg reichte es dennoch. Weil man öfter unentschieden spielte und die Liga etwas ausgeglichener war.