Allofs, Preetz & Co.

Meinungsflexibilität in England und Spanien

Treueschwüre und Bekenntnisse deutscher Fußballfunktionäre haben mittlerweile die gleiche Halbwertszeit wie Sätze der Kanzlerin, wenn sie ihren angezählten Ministern »ihr vollstes Vertrauen« ausspricht. Und doch hinken die Deutschen den Spaniern im Meinungsslalom weit hinterher.

»Es gibt keinen Besseren als ihn«

Nur zwei Beispiele: Teneriffas Präsident Miguel Concepción sprach am 28. Januar über den Trainer: »Ich verhandele nicht über seine Zukunft. Er ist hungrig und stark, er ist die richtige Person mit dem richtigen Wissen, um dieses Schiff zu steuern.« Am 2. Februar entließ er ihn. Granadas Präsident Quique Pina bekannte sich zum Trainer auf diese Art und Weise: »Es gibt keinen Besseren als ihn, wir arbeiten weiter zusammen.« Zumindest eine Woche lang taten sie das noch, dann kam die Beurlaubung.

Rührende Geschichten, die nun Vertreter auf der Insel angestachelt haben müssen: Am Sonntag berichteten sowohl »Guardian«, die BBC als auch »Sky« über die Entlassung von Nigel Pearson, dem Trainer von Tabellenschlusslicht Leicester City. Pearson wurde nicht nur anhaltende Erfolglosigkeit angelastet, sondern auch ungebührliches Verhalten an der Seitenlinie. Dort würgte er am Samstag James McArthur von Gegner Crystal Palace, einen Spieler, den er im Jahr zuvor eigentlich hatte verpflichten wollen. Hinterher stellte Pearson die Szene als einen kleinen Scherz unter Fußballern dar, fügte aber maliziös an, dass er sehr wohl auf sich selbst aufpassen könne.

»Anderslautende Meldungen sind ohne jede Grundlage«

Wer das kurios findet, hat noch nicht den Namen von Leicesters Besitzer gelesen: Vichai Srivaddhanaprabha. Ein Mann, der seinen Helikopter direkt nach dem Spiel auf dem Rasen landen lässt und einer gewissen Sprunghaftigkeit nicht unverdächtig ist. So soll er am Sonntag also zunächst Pearsons Entlassung beschlossen und dann wieder verworfen haben. Um 22 Uhr teilte der Klub mit: »Im Gegensatz zu Spekulationen in den Medien am Sonntagabend bleibt Nigel Trainer des Klubs. Anderslautende Meldungen sind nicht korrekt und ohne jede Grundlage.«

Am Dienstag verlor Leicester wieder, auswärts bei Arsenal. Bei den Wettanbietern in England bleibt Pearson der Topkandidat für den nächsten Rauswurf, entgegen aller Beteuerungen des Klubs.