Alles, was ihr über Polens Auswahl wissen müsst

Karol Linetty
Dass der 20-Jährige in dieser Saison überhaupt noch beim polnischen Meister Lech Posen spielt, ist eigentlich ein ziemliches Wunder. Mehrere Vereine der Premier League und der Bundesliga sollen den Mittelfeldspieler auf ihrem Wunschzettel gehabt haben. Und da die von Lech geforderte Ablöse bei für die heutigen Zeiten schon fast lächerlichen vier bis sechs Millionen Euro lag, zeigten sich auch andere Klubs, die man aus der Champions League kennt, an dem momentan vielversprechendsten polnischen Spieler interessiert. Doch wie man in eine starke ausländische Liga wechselt, könnte ihm sein Vorbild und Mentor Robert Lewandowski erklären. »Du hast ein unglaubliches Talent. Wenn Du dieses durch harte Arbeit förderst, wird aus Dir ein ganz Großer«, sagte Lewandowski im Sommer 2011 dem damals 16-jährigen Linetty bei einem Nachwuchsturnier, den einer von Lewandowskis Werbepartnern jährlich veranstaltet.

Es folgten weitere sporadische Kontakte zwischen dem Bundesliga-Stürmer und dem Nachwuchsspieler, die für Linetty laut eigener Aussage von enormer Bedeutung waren. So bat er den Bayern-Stürmer um einige Ernährungstipps, ohne jedoch an eine Antwort zu glauben. Doch einige Tage später schickte ihm Lewandowski gleich einen ganzen Diätplan. Das Ergebnis von Lewandowskis Speisekarte war das Nationalmannschaftsdebüt im vergangenen Jahr beim Freundschaftsspiel gegen Litauen. Eine Partie, bei der Linetty nicht nur durch sein Talent und seinen Ehrgeiz auffiel, sondern auch durch sein gutes Benehmen. Sowohl Lewandowski als auch seine anderen Nationalmannschaftskollegen hat er damals noch gesiezt.

Maciej Rybus
Als der Flügelfeldspieler 2007 im Alter von 18 Jahren in der ersten Mannschaft von Legia Warschau debütierte, glaubten viele polnische Experten, den nächsten polnischen Weltklassespieler gesehen zu haben. Und tatsächlich, die Entwicklung war vielversprechend. Bereits zwei Jahre später absolvierte er ein Spiel im Trikot der polnischen Nationalmannschaft. Bei seinem zweiten Auftritt erzielte er schon den entscheidenden Treffer. Die große Karriere blieb jedoch aus. Im Winter 2012 wechselte Rybus trotz Kritik des damaligen polnischen Nationaltrainers Franciszek Smuda zu Terek Grozny. »Wenn er noch ein Jahr wartet, wird er bei einem besseren Verein im Westen unterkommen«, sagte Smuda damals. Eine Meinung, die Rybus heute auch teilt, es aber im März in einem Interview für eine polnische Sportzeitung auf eine seltsame Art mitgeteilt hat. 
»Ist es Zeit, Terek zu verlassen?«
»Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich wechseln möchte. Nach drei Jahren sehne ich mich nach neuen Herausforderungen. Ich fühle, dass meine Zeit verrinnt.«
»Haben sie das dem Vereinspräsidenten oder jemandem aus der Klubführung offen gesagt?«
»Dort ist es besser, über solche Themen nicht zu sprechen.«
»Weil sie dann vielleicht aus dem Profikader gestrichen werden?«
»Es können seltsame Dinge passieren. Deshalb ist es besser, nicht laut darüber zu sprechen.«
Zum Glück waren diese Aussagen nicht so laut, dass sie bis nach Tschetschenien vorgedrungen sind. Denn Rybus geht nun in seine vierte Saison bei Terek Grozny und erfreut sich dabei bester Gesundheit.

Sebastian Mila
Als der 33-Jährige beim Hinspiel in Warschau in der 88. Minute das entscheidende 2:0 gegen Deutschland erzielte, sicherte er sich nicht nur einen Platz in der polnischen Fußballgeschichte. Für den Mittelfeldspieler war es auch eine Genugtuung. Über Jahre galt Mila in seiner Heimat als der Inbegriff des Fußballers, der zu wenig aus seinem Talent gemacht hat. 2005 wechselte er von Dyskobelia Groclin Grodzisk für zwei Millionen Euro zu Austria Wien. Doch anstatt über Österreich Europa zu erobern, kehrte er nach drei Jahren über den Umweg Valerenga nach Polen zurück. Ausgerechnet zu LKS Lodz, einem der chaotischsten Vereine im polnischen Profifußball der vergangenen zehn Jahre.

Nach nur einem halben Jahr wechselte er zu dem ambitionierten Verein Slask Breslau. Doch trotz Erfolgen wie dem Gewinn der polnischen Meisterschaft 2012, blieb der Makel des unerfüllten Fußballers über all die Jahre an ihm hängen. Auch deshalb, weil Mila durch seine unprofessionelle Lebensweise immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat. Noch vor zwei Jahren spielte er mit zehn Kilo Übergewicht, wie er 2014 in einem Interview  offenbarte. Doch im Herbst seiner Karriere hat sich Mila offenbar noch einmal gefangen, wovon er auch finanziell profitiert. Im Winter nutzte er seinen neuen Heldenstatus und unterschrieb bei seinem Jugendverein Lechia Danzig einen für polnische Verhältnisse gutdotierten Vertrag.