Alles, was ihr über Polens Auswahl wissen müsst

Pöbel und Suff

Kamil Glik
»Ich fühle, dass ich irgendwann in der Bundesliga spielen werde«, erklärte vor einigen Jahren der Innenverteidiger in einem Interview. Ein Traum der in diesem Sommer in Erfüllung hätte gehen können, wenn man den vielen Transfergerüchten glauben kann, die über Glik in den letzten Monaten erschienen. Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Leverkusen. Sie alle sollen Interesse an dem 27-jährigen Kapitän des FC Turin gehabt haben.

Doch Glik wurde von der Presse nicht nur mit einigen Vereinen der Bundesliga in Verbindung gebracht, sondern auch mit der deutschen Nationalmannschaft. Vor sechs Jahren tauchten in Polen Berichte auf, laut denen der DFB dem ehemaligen polnischen Jugendnationalspieler einige Avancen gemacht haben soll. »Ich schließe nichts aus«, erkärte Glik damals nur lakonisch. Theoretisch wären Gliks Berufungen in die deutsche Nationalmannschaft bis zu dessen Debüt in der »Kadra« 2010 jedenfalls möglich gewesen. Denn wie so viele Oberschlesier, besitzt auch Glik die doppelte Staatsbürgerschaft. Der einzige Unterschied zu dem deutschen Pass, wie Glik mal erklärte, wäre nur die Schreibweise seines Nachnamens: »Diese lautet Glück.«

Pawel Olkowski
Die bisherigen ersten Spieltage der neuen Saison liefen für den Kölner Rechtsverteidiger nicht besonders. Dass Olkowski auf dieser Position aber zu den überdurchschnittlichen Profis gehören kann, bewies der Pole ganz zu Freude seinen Trainers Peter Stöger in der vergangenen Saison. Olkowski ist für die Geißböcke aber nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus finanzieller Sicht ein Gewinn, da der Pole im Sommer 2014 ablösefrei an den Rhein kam. Wie so üblich bei Spielern mit auslaufendem Vertrag, haben die beiden Parteien den Vertrag aber schon einige Monate vorher unterzeichnet.

Doch bei Olkowskis damaligen Arbeitgeber Gornik Zabrze zeigte man sich darüber nicht besonders erfreut. Und dies nicht nur wegen der entgangenen Ablösesumme, sondern auch wegen der Art und Weise. Denn Olkowski reiste zu der obligatorischen Medizinuntersuchung und der Vertragsunterschrift mitten in der Trainingswoche, ohne es mit Gornik abzusprechen. Doch bis auf einige kleinlaute Beschwerden, haben die Verantwortlichen des polnischen Traditionsvereins auf weitere Konsequenzen verzichtet. Nicht ohne Grund: da der finanziell klamme Klub Olkowski einige Monatsgehälter schuldete, war jede offizielle Beschwerde von Anfang an aussichtslos.

Lukasz Szukala
Die Fans von 1860 München und Alemannia Aachen dürften sich an den Innenverteidiger vielleicht noch erinnern. Zwischen 2004 und 2010 spielte er bei den beiden Klubs in der 2. Bundesliga. Die große Karriere machte der gebürtige Danziger, der in der Nähe von Trier aufgewachsen ist, jedoch auf dem Balkan. Ab 2010 spielte Szukala in Rumänien. Zuerst bei Gloria Bistrita, zum Schluss bei Steaua Bukarest. Mit dem rumänischen Spitzenklub gewann Szukala auch drei Meistertitel. Zwei dieser Erfolge errang der 31-jährige Verteidiger mit einem alten Bekannten aus der Bundesliga. Laurentiu Reghecampf war von 2012 bis 2014 Trainer des ehemaligen Armeeklubs. Mit dem ehemaligen Profi von Energie Cottbus und Alemannia Aachen verbindet Szukala aber nicht nur die gemeinsame Zeit auf dem Tivoli.

Reghecampfs Ehefrau Anamaria Prodan vertritt nicht nur die Interessen ihres Gatten, sondern auch die des polnischen Nationalspielers. Über den Umweg Ittihad FC in Saudi-Arabien gelangte Szukala in diesem Sommer zu dem türkischen Süper Lig-Aufsteiger Osmanlispor. Und auch dort traf Szukala auf einen aus der Bundesliga bekannten Namen. Jürgen Röber ist seit Juli Sportdirektor des Klubs aus Ankara.

Slawomir Peszko
Trinkgelage bei den Trainingslagern der polnischen Nationalmannschaft. Nächtliche Pöbeleien mit Kölner Taxifahrern. Kein anderer polnischer Nationalspieler sorgte in den vergangen Jahren für so viele Suffgeschichten, wie der 30-Jährige Mittelfeldspieler. Doch zumindest für die Kölner Fans gehören solche Schlagzeilen der Vergangenheit an. Am letzten Tag der Transferperiode wechselte Peszko zu Lechia Danzig. Einem Verein, der sich, mal böse ausgedrückt, zu einem Auffanglager für in starken Ligen gescheiterte Profis entwickelte. Neben Peszko spielen auch der ehemalige Lauterer Ariel Borysiuk und der einstige 1860-Profi Grzegorz Wojtkowiak in der Heimatstadt von Günter Grass und der Solidarnosc.

Doch der schillerndste Name ist der ehemalige Juve-Profi Milos Krasic, der ebenfalls am letzten Tag der Transferperiode von Fenerbahce Istanbul geholt wurde. Verantwortlich für diese Entwicklung sind in Deutschland zwei sehr bekannte Namen. Der Viktoria Köln-Mäzen Franz-Josef Wernze und der Spielervermittler Roger Wittmann sind seit 2014 Besitzer des Vereins. Doch aus ihren Plänen, den Klub als dritte Kraft der polnischen Liga zu etablieren, ist bisher nichts geworden. Weshalb Lechia seit dieser Woche auch einen neuen Trainer hat: HSV-Legende Thomas von Heesen.