Alles ist anders

Danke, Fußball

Der 2. Spieltag war für Zocker ein Albtraum: 3:6, wer soll so was tippen? Wie zu jedem Saisonstart dreht die Liga durch, feiern die einen bereits den Titel, während die anderen schon abgestiegen sind. Genießen wir es, so lange es geht. Alles ist anders Für den FC Bayern tut sich die Erde auf, Stuttgart und Schalke sind bereits abgestiegen, und der HSV  ist Weltmeister. Und nach »acht Toren in elf Spielen« für den HSV ist sich die »Hamburger Morgenpost« vollkommen sicher, dass Ruud van Nistelrooy bereits sehr bald »der beste HSV-Torjäger aller Zeiten« wird, besser als Uwe Seeler (»120 Tore in 193 Spielen«). Wegen der Quote. »Die Frage, ob Ruud van Nistelrooy wieder ein Tor schießen wird, dürfte künftig überflüssig werden. Viel mehr geht es darum, wie oft der Superstar aus Holland denn diesmal treffen wird«, dichten die Hamburger.

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Nicht auszudenken, was in der Hansestadt los wäre, wenn die Kollegen sich in ihrer Aufregung nicht verrechnet hätten, und bemerkt, dass van Nistelrooy JETZT SCHON der beste HSV-Torjäger aller Zeiten ist. Denn während van Nistelrooy in Wahrheit acht Tore in dreizehn Bundesligaspielen gemacht hat (0,61 Treffer pro Spiel), kommt Seeler auf alberne 137 Buden in 239 Partien. Eine Quote von 0,58. Lächerlich.

Fußball, willst du uns verarschen?

Man muss den Hamburgern nachsehen, dass sie jede Gelegenheit nutzen, um ein wenig auf den Putz zu hauen. Erfahrungsgemäß kommt für den HSV spätestens nach der Winterpause eine Phase, nach der der gute Saisonstart zumindest nicht mehr für Titelträume reicht.

Andererseits fällt es doch schwer, nach diesem Wochenende noch irgendetwas ernst zu nehmen. Bayern verliert auf dem Betzenberg. Gut, so was kommt vor. Wolfsburg vergeigt eine 3:0-Führung im eigenen Stadion und verliert 3:4 gegen Mainz. Das kommt eigentlich schon nicht mehr vor. Leverkusen verliert zu Hause 3:6 gegen Gladbach. Hallo? 3:6? Und Zlatan Ibrahimovic lässt sich, ein Jahr nachdem er für 50 Millionen Euro plus Samuel Eto’o von Inter zu Barcelona gewechselt ist, zum AC Mailand ausleihen und nächstes Jahr für 24 Millionen Euro kaufen. Fußball, willst du uns verarschen? Nach so einem Wochenende muss man ja schon froh sein, dass man nicht hauptberuflich auf Spiele wettet oder für die Bilanzen italienischer Fußballklubs verantwortlich ist, sondern nur im privaten Kreis in Tipprunden gegen Leute abschmiert, die absolut keine Ahnung von Fußball haben.

Wahrscheinlich hat die »Morgenpost« doch recht: Angesichts solcher Zahlen und Ergebnisse sollte man sich freuen, so lange man kann. Der Reiz einer jeden neuen Saison besteht ja darin, dass es am Anfang immer drüber und drunter geht, bis sich die Verhältnisse wieder relativieren. Bayern auch schlechte Spiele also wieder 1:0 gewinnt, Gladbach und Mainz nach unten rutschen, Stuttgart einen neuen Trainer bekommt und Ruud van Nistelrooy keine Bälle mehr. 3:6? Danke, Fußball!