Alaves mischt La Liga auf

Starpower sucht man in Alaves vergebens

Starpower sucht man in Alaves tatsächlich vergebens. Gut, da ist John Guidetti, dessen Transfer im Sommer allein vier der besagten 8,5 Millionen verschlang. Guidetti besitzt sogar ein eigens ihm gewidmetes Lied, the guidetti song, von einem Interpreten namens Johnny G, aber ein echter Star? Nein, das ist der Schwede nicht. Manu Garcia, der Kapitän, war schon zu Drittligazeiten dabei. Er ist vielleicht der beliebteste Spieler, aber weit davon entfernt, Strahlkraft über Vitoria hinaus zu besitzen. 

Die Erfolgsgeschichte dieser Mannschaft ist eine des Teamgeistes und der Opferbereitschaft. Alaves vereint eine Gruppe, in der sich niemand groß fühlt oder sich über den Erfolg der Mannschaft stellt. Selbst Bojan Krkic, der vergangene Saison im Schlechten von Deportivo schied, sagte hinterher: »Vom Teamgeist war das eine der besten Mannschaften, in der ich je gespielt habe.« Was allein deshalb von Relevanz ist, weil Krkic in vielen Mannschaft anzutreffen war. 


Ehemalige Spieler beschreiben das Arbeitsethos als vorbildlich. 


Die Spieler wissen, dass sie mehr tun müssen als die Konkurrenz, um erfolgreich zu sein. Nach den offiziellen Trainingseinheiten am Vormittag finden sie sich später am Tag oft in kleinen Gruppen zusammen, um Extraschichten einzulegen. Meist sind das Kraft- und Konditionseinheiten, angeboten von den vielen Fitnesstrainern, die Abelardo angeheuert hat. Das Training ist freiwillig, niemand muss dort erscheinen, aber fast alle machen es. Zwei freie Tage, wie bei vielen anderen Klubs üblich, gibt es nie. Ehemalige Spieler beschreiben das Arbeitsethos als vorbildlich. 

Die Opferbereitschaft zahlt sich aus. Alaves hat in dieser Saison durch späte Treffer bereits sieben Punkte geholt. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei das Tor beim 1:0 gegen Real Madrid, erzielt in der 95. Minute. Danach wurde das kleine, nur 18.000 Zuschauer fassende Mendizorroza vom Jubel erschüttert. 

Abelardo hat ein Ebenbild seiner selbst geformt

Die Begeisterung war so überschwänglich wie Anfang des Jahrtausends, als sie in Vitoria schon einmal einem Märchen bewohnten. Damals stürmte Alaves bis in Finale des Uefa-Cups, wo man höchst unglücklich dem FC Liverpool 4:5 nach Verlängerung unterlag. Javi Moreno und Jordi Cruyff hießen einst die Stars, aber schon zu dieser Zeit zeichnete sich Alaves vor allem als homogene Mannschaft aus. Später folgte der Absturz bis in die Drittklassigkeit. Die Fußballabteilung wurde lange zugunsten der recht erfolgreichen Basketballer vernachlässigt. 

Das hat sich mittlerweile geändert. Die Nachfolger der Uefa-Cup-Finalisten spielen offensiv längst nicht so spektakulär, aber ähnlich erfolgreich. Abelardo hat ein Ebenbild seiner selbst geformt. Defensiv steht Alaves sehr sicher, offensiv müssen Wucht und Kraft, vor allem nach Standardsituationen genügen. Dafür wäre der heutige Trainer mit seiner einstigen Kopfballstärke prädestiniert. Aber inzwischen ist er ja laut eigener Aussage leider etwas zu steif.