Alarmierende Studie zum Rassismus im Fußball

True Story

Die bisher größte Studie zu Rassismus im Fußball kommt zu eindeutigen Ergebnissen. Die vor allem dem deutschen Fußball ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

imago

Mit Gefühlen ist das so eine Sache. Ich zum Beispiel habe das Gefühl, es gibt viel zu viele Texte, die in der Ich-Form geschrieben sind. Manchmal habe ich auch das Gefühl, nicht genug geliebt zu werden oder dass es gar nicht stimmt wenn mir Bekannte, denen ich zufällig über den Weg laufe (und denen ich also nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte), sagen: »Wir müssen mal wieder ein Bier zusammen trinken.«

Auch das Verhältnis vieler Deutscher zu ihren Gefühlen ist, sagen wir mal, ambivalent. Wer Oliver Pocher für einen Comedian hält, Helene Fischer für eine tolle Künstlerin und den Fan Club Nationalmannschaft für eine gute Idee, der pegelt seine Emotionen gefühlt nach DIN-Norm und geht zum glücklich sein wohl mehrheitlich in den Keller. Aber auch sonst hat der Deutsche eine Schere im Kopf, wenn es um das Verhältnis von gefühlter und tatsächlicher Wahrheit geht.

Gefühlte vs. tatsächliche Wahrheit

So denken unsere Mitbürger seit Jahren, die Kriminalitätsrate würde beständig steigen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. So war die Zahl der bundesweit registrierten Straftaten 2017 so stark zurückgegangen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Warum trotzdem so viele Deutsche das Gefühl haben, es sei eben genau umgekehrt? Vielleicht, weil sich zum Beispiel die Zahl der Fernsehberichte über kriminelle Ausländer seit 2014 vervierfacht hat.



Was sich leider nicht vervierfacht hat, ist die Berichterstattung über Rassismus im und rund um den Fußball. Gefühlt hat sich die Lage in den vergangen Jahren erheblich verbessert. Aber was sagen die Zahlen? Eine gemeinsame Studie der britischen Kampagne »Kick It Out« und von »Forza Football«, einer schwedischen Livescore-App, gibt nun genau darüber Auskunft.

Besser, aber nicht gut genug

27.000 Menschen weltweit wurden befragt, es ist die größte Untersuchung dieser Art überhaupt. Und die Ergebnisse machen Hoffnung und betroffen zugleich.



So berichten 54 Prozent aller Fußballfans rund um den Globus davon, Zeuge oder Opfer rassistischer Handlungen geworden zu sein. Eine Zahl, über die Lord Ouseley, Vorsitzender von »Kick It Out« sagt: »Wenn wir vor zehn, sicher aber vor 25 Jahren, gefragt hätten, wieviele Fans Zeugen rassistischer Ausfälle geworden sind, wären es sicher um die 90 Prozent gewesen.«