Al Araibi: Der Fußballer, der zum Politikum wurde

Two Months in Bangkok

Flucht, Gefängnis, Folter: Hakeem Al Araibi spielte in Australiens zweiter Liga, und stand im Mittelpunkt der internationalen Sportberichterstattung. Weil ihm trotz weltweiter Unterstützung das Schlimmste drohte. Jetzt ist er frei. 

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Es sollten Flitterwochen mit seiner Frau werden, eine entspannte Zeit in Thailand, aber es wurde ein Alptraum: Seit November saß Hakeem Al Araibi, Innenverteidiger des australischen Zweitligisten Pascoe Vale FC, in Bangkok im Klong Prem Central Prison in Haft. Gleich nach seiner Ankunft am Flughafen wurde er festgenommen. Ihm drohte die Auslieferung in sein Heimatland Bahrain. Dort wurde Al Araibi zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Aber er vermutete, dass ihn in Bahrain noch weit Schlimmeres erwartet. »Sie werden mich festnehmen, foltern und vielleicht sogar töten«, sagte er dem britischen Guardian.

Der Fall Hakeem Al Araibi sorgte international für Aufmerksamkeit. Al Araibi wurd in Bahrain beschuldigt, sich in der Zeit des Arabischen Frühlings kritisch gegenüber der Herrscherfamilie 2011 geäußert zu haben. Außerdem soll er 2012 eine Polizeistation angegriffen haben, so die bahrainischen Behörden. Dafür wurde er zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nur: Zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt stand Al Araibi auf dem Fußballplatz, das Spiel wurde laut Medienberichten sogar live im Fernsehen übertragen. Viele Menschenrechtler vermuten deshalb, dass die bahrainische Königsfamilie sich an ihm rächen will, weil er sich 2011 öffentlich gegen sie aussprach, wie viele andere Prominente seines Landes auch.

Auslieferungsantrag zurückgezogen

Al Araibi floh 2014 aus seiner Heimat, er nutzte ein Auswärtsspiel der Nationalmannschaft, um sich nach Australien abzusetzen. Mit Erfolg: Er wurde in Australien als Flüchtling anerkannt. Doch die bahrainischen Behörden beobachteten Al Araibi offenbar weiter: Kurz vor seinen Flitterwochen in Thailand im November letzten Jahres beantragten sie bei Interpol eine sogenannte Red Notice, einen internationalen Haftbefehl.

Dass Al Araibi ausgerechnet nach Thailand reiste, war ein Glücksfall für Bahrain. Thailand hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet, die Geflüchtete vor Abschiebung in ihr Heimatland schützt, wenn ihnen dort Verfolgung droht. Bahrain hatte das Auslieferungsgesuch Al Araibis offiziell bekräftigt. Nun hat das Herrscherhaus in Manama den Auslieferungsantrag für Araibi zurückgezogen. Zu den Gründen schweigt die Führung. Am Sonntag war jedoch Thailands Außenminister Don Pramudwinai zu Gesprächen in Bahrain. Am selben Tag telefonierten die beiden Regierungschefs Khalifa bin Salman Al Khalifa und Prayuth Chan-ocha miteinander. »Er ist ein freier Mann«, teilt die thailändische Generalstaatsanwaltschaft zum Fall dann mit: »Das Gericht wird den Befehl ausstellen, dass er noch am Montag aus dem Gefängnis freikommt.«