Ajax muss 10.000 Euro Strafe für Anti-Scheich-Banner zahlen

Ist das Banner verleumdend?

Und doch: So ganz beisammen scheint die Uefa immer noch nicht. Momentan geistert ein Foto durchs Internet, auf dem ein Banner zu sehen ist, dass Ajax-Fans während der Champions-League-Partie gegen Manchester City am 24 Oktober 2012 hochhielten. Darauf ist ein zur Comicfigur stilisierter Scheich zu sehen. Dieser hält einen Geldbeutel in der Hand, er ist durchgestrichen. Darunter halten andere Fans ein Banner mit der altbekannten Aufschrift »Against modern football« hoch.
 
So weit, so harmlos. Eigentlich.
 
Denn die Uefa hat Ende letzter Woche eine Strafe von 10.000 Euro gegen den Verein verhängt. Der Banner, auf dem weder der Verband noch eine Person namentlich angegangen wurde, sei »unangemessen« und »provokativ« gewesen, außerdem könne er »Unruhen« im Stadion auslösen. Unruhen? Provokation? Diesem Denkmuster zufolge dürfte man kein einziges Fußballspiel in der Premier League mehr anpfeifen, ohne dass man Minderjährigen in der ersten Reihe die Ohren zuhält.

10.000 Euro wegen weiterer Banner?
 
Im Internet wird nun spekuliert, dass nicht diese zwei Banner zur Strafe führten, sondern andere Transparente, die ebenfalls während des besagten Spiels hochgehalten wurden. Darauf stand etwa: »80 Euro für ein Auswärtsticket sind lächerlich!« Auf anderen Transparten konnte man die Namen von Klubs lesen, die wie Manchester City von externen Geldgebern gebuttert werden – etwa Red Bull Salzburg oder FC Chelsea. Darunter sah man ein kleineres Transparent mit der Aufschrift: »Fuck you!« War es also das, was den Verband so erzürnte, dass er diese irrwitzige Geldstrafe aussprach?
 
Heute nahm der Verband auf Anfrage von 11FREUNDE Stellung. »Die Strafe wurde wegen dem Cartoon und dem Slogan ›Against modern football‹ verhängt. Das ist alles«, sagte ein Verbandssprecher. Was daran »provokativ« sei und warum das Banner nicht unter die Meinungsfreiheit fällt, wird nicht beantwortet. Wurde also wieder das Strafen-Glücksrad gedreht? Oder fällt es nicht unter die Redefreiheit, weil die »Grenzen des Jugendschutzes erreicht« sind? Gibt es gar als »geheim klassifizierte Informationen« weiter? Übt es »übermäßige Kritik an eigenen (...) Staatsvertretern wie Staatsoberhaupt«? Ja, durchaus.

Die Strafe für den FC Malaga

Doch einigen wir uns darauf: Das Banner ist hochgradig skandalös, weil es verleumdend ist. Schließlich wird der Uefa mit dem Banner auch eine Handlungsunfähigkeit in Sachen »Financial Fairplay« unterstellt. Dabei hat sie erst vor Weihnachten mit großem Tamtam den FC Malaga wegen Verstößen für ein Jahr vom Europapokal ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe von 300.000 belegt. Der FC Malaga! Fünfter in der spanischen Liga, größter Erfolg der Vereinsgeschichte: UI-Cup-Sieger 2002. Der spanische Klub musste als Exempel dafür herhalten, dass die Uefa es ernst meint. Oder auch nicht.
 
Man darf sich also weiter wundern. Und festhalten: Die Uefa ist zumindest für fußballgesellschaftliche Entwicklungen selbst verantwortlich.

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