Absurde Auswüchse in englischem Pokalwettbewerb

Der schlechteste Besuch seit Ende des Krieges

Kaum war die Meldung veröffentlicht, twitterte die Fanvereinigung des Viertligisten FC Portsmouth: »Nur um das klarzustellen: Unser Vorstand lehnt diese Änderungen des Formats rundweg ab.«

Der Tweet des Klubs Accrington Stanley las sich so: »Wir möchten unsere Anhänger davon in Kenntnis setzen, dass wir gegen die vorgeschlagenen Änderungen der EFL Trophy gestimmt haben.« Und Hartlepool United veröffentlichte auf seiner Homepage einen Text zu den Neuerungen, dessen letzter Satz lautete: »Hartlepools Vorsitzender Gary Coxall hat bestätigt, dass der Klub gegen diese Änderungen gestimmt hat.«

Der schlechteste Besuch seit Ende des Krieges

Die nächste Abstimmung fand mit den Füßen statt. Normalerweise unterstützen englische Fans ihre Mannschaft bedingungslos. Nicht einmal horrende Kartenpreise oder absurde Anstoßzeiten können sie davon abhalten, auch das bedeutungsloseste Spiel im obskursten Wettbewerb zu verfolgen. Doch jetzt war eine Grenze überschritten. Unter dem Hashtag #BTeamBoycott riefen mehrere Fangruppierungen dazu auf, den Pokal zu boykottieren.

Mit Erfolg. Gerade mal 392 Zuschauer sahen die Partie zwischen Fleetwood Town und Blackburn Rovers 2. Zum Spiel zwischen Barnet und Norwich City 2 kamen 457 Anhänger. Grimsby gegen Leicester City 2 fand vor 609 Fans statt. Portsmouth hatte zwar 1.355 Zuschauer gegen FC Reading 2, doch für den Klub war das der schlechteste Besuch seit Ende des Krieges. Drei Tage vorher hatten noch 17.000 Menschen das Ligaspiel gegen Doncaster verfolgt.

Den Fans konnte man nicht verbieten, den Pokal zu boykottieren. Doch den Vereinen schon: Damit Klubs wie Portsmouth nicht bloß Ersatzleute gegen die ungeliebten Nachwuchsteams aufstellen, führte die Liga eine Regel ein, nach der die Dritt- und Viertligisten in der EFL Trophy mindestens fünf Spieler in der Startelf haben müssen, die am letzten Spieltag auch in der Liga aktiv waren.