Absurde Auswüchse in englischem Pokalwettbewerb

Der Cup, den keiner will

Auswechslungen nach drei Minuten, Fanboykotte und absurde Elfmeterschießen — die altehrwürdige EFL-Trophy sorgt in England für jede Menge Aufruhr. Aus gutem Grund.

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Am heutigen Samstag reist der englische Drittligist Oxford United zum Tabellenletzten Shrewsbury Town und wird versuchen, durch einen Sieg etwas Luft zwischen sich und die Abstiegszone zu bringen. Warum wir das an einem Länderspielwochenende erwähnen? Nun, weil Oxford United seit einigen Tagen englischer Rekordhalter ist.

Und weil eben das eine Entwicklung unterstreicht, die auch auf der Insel immer schneller voranschreitet: die Abspaltung der superreichen Topklubs vom großen Rest. Und weil das wiederum zu etwas geführt hat, das in England extrem ungewöhnlich ist: einem Fanboykott.

Finale vor mehr als 80.000 Fans

Doch der Reihe nach. Seit mehr als 30 Jahren gibt es in England einen Pokalwettbewerb, der den Vereinen aus der dritten und der vierten Liga vorbehalten ist. Die meisten Fans kennen ihn als EFL Trophy, obwohl er offiziell stets nach einem Sponsor benannt ist, früher Johnstone’s Paint, seit August Checktrade.

Der Pokal ist durchaus populär. Im Jahre 1988 sahen mehr als 80.000 Fans das Endspiel zwischen Wolverhampton und Burnley im Wembley-Stadion. Und im April holte Barnsley den Titel vor fast 60.000 Zuschauern.

Stürmer Ashley Fletcher sagte nach dem Schlusspfiff: »Es war einfach verrückt, wie die ganze Barnsley-Kurve durchdrehte. Ich freue mich fürs Team, für die Fans und die Stadt.“ Barnsleys Gegner im Finale hieß übrigens Oxford United.

Für mehr und besser ausgebildete, einheimische Nachwuchsspieler

So hätte es weitergehen können, schließlich bot die EFL Trophy auch den kleineren Vereinen eine Chance, mal einen richtigen Pokal zu gewinnen. Die Doncaster Rovers zum Beispiel verweisen auf ihrer Homepage durchaus mit Stolz darauf, dass sie 2007 Sieger der Johnstone's Paint Trophy waren (durch einen Finalsieg gegen die Bristol Rovers vor 59.024 Zuschauern).

Doch im Juni gab der englische Ligaverband bekannt, dass die Regeln des Pokals probeweise geändert würden. Seit Beginn des gerade laufenden Wettbewerbs nehmen nicht nur 48 unterklassige Vereine am Cup teil – sondern auch die Nachwuchsmannschaften von 16 Spitzenklubs.

Die Reform, so die Liga, habe mit ihrer Verantwortung zu tun, »für mehr und besser ausgebildete, einheimische Nachwuchsspieler zu sorgen«. Mit anderen Worten: Die Talente aus den Jugendakademien der Großklubs sollten Wettkampfpraxis bekommen. Nicht zuletzt deshalb, weil viele von ihnen nur geringe Chancen haben, in einen der mit teuren Stars gespickten Profikader des eigenen Vereins zu rutschen.