Abstiegsangst beim VfL

Ein Gespenst bochum die Ecke

Nur dank der solidarischen Bielefelder richtete die fünfte Niederlage der Bochumer in Folge keinen größeren Schaden an. Allerdings machte der VfL beim 1:3 gegen den HSV nicht den Eindruck, das Blatt selbst noch wenden zu können.  Abstiegsangst beim VfLImago »Gegen Hamburg sehe ich bessere Chancen etwas mitzunehmen«, hatte Thomas Ernst, der Sportvorstand des VfL Bochum, nach der 0:2-Niederlage in Berlin gesagt. Und der HSV wirkte ja in der Tat nach den Misserfolgen im Dauerduell mit Werder Bremen müde, frustriert und angeschlagen. Für eine Bochumer Elf, die sich in den entscheidenden Wochen der Saison wie ein Absteiger präsentiert, reichte es für die Elf von Martin Jol aber locker. Der Holländer konnte es sich sogar leisten, auf Mladen Petric und Piotr Trochowski zu verzichten, dermaßen mut- und energielos traten die Bochumer auf.

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VfL-Trainer Marcel Koller hatte erneut eine Fünfer-Abwehrkette aufgeboten, allerdings auch Diego Klimowicz in der Offensive Joel Epalle und Dennis Grote zur Seite gestellt. Koller wollte damit die Hamburger zwingen, den Ball lang nach vorne zu spielen, wo seine Defensiv-Akteure schon warteten. Ein schöner Plan, der leider komplett in die Hose ging. Nach einer gähnend langweiligen Ouvertüre, in der sich auch die Gastgeber kein Bein ausrissen, genügte ein Querschläger von Anthar Yahia, um den Bochumern den Zahn zu ziehen. Paolo Guerrero hielt einfach mal drauf - und drin war der Ball. Dass VfL-Schlussmann Daniel Fernandes noch die Finger dran hatte, änderte nichts.

Anschließend musste doch tatsächlich Frank Rost einmal in Aktion treten, als Dennis Grote sich links durchgesetzt hatte, ansonsten bestimmte Hilflosigkeit die Aktionen der Gäste. Eine Hilflosigkeit, die zu purem Frust mutierte, als Ivica Olic nach Dennis Aogos Eckball zum 2:0 eingeköpft hatte. Olic, wahrlich kein Riese, war Matias Concha entwischt. Wie so oft in dieser gründlich missratenen Spielzeit, hatten die Bochumer mit bösen Folgen bei einer Standardsituation geschlafen.

Schwachpunkt: Alles

Das Debakel nahm seinen Lauf. Nichts stimmte mehr in den Reihen der Bochumer, nicht die Körpersprache, nicht die Moral, nicht das Stellungsspiel, nicht die Laufwege.

Und als Olic nach einer knappen Stunde seinen zweiten Treffer erzielte und damit die HSV-Fans auf den Rängen zu frohem Gesang animierte, hätte Peter Neururer, einer der Bochumer Ex-Trainer, den passenden Ausdruck für das Verhalten von Olic' Begleitern Marcel Maltritz und Matias Concha gefunden. Als »Hütchen mit Beinen« hatte Neururer einst die Spieler eines unterklassigen Testspielgegners genannt. Und genau so sah das in Hamburg aus.

Und dennoch gab es auf Seiten der Gäste etwas so Seltenes wie Positives zu bestaunen, nämlich das erste Saisontor des eingewechselten Slawo Freier. Ein Treffer, der in der Endabrechnung noch Gold wert sein kann.