Aachens umstrittenen Ultras »Karlsbande«

Gesinnungswandel auf Anfrage

Lange wurde der Aachener Fangruppierung »Karlsbande« rechte Gesinnung nachgesagt. Nun haben sich die Ultras mit einem anti-rassistischen Spruchband von diesen Vorwürfen distanziert. Doch wie ernstgemeint war dieses Plakat?

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Der Ruf von Alemannia Aachen hat in der Vergangenheit stark gelitten. Und das nicht nur wegen des sportlichen Abstiegs aus der Bundesliga in die Regionalliga West, sondern vor allem wegen der rechten Tendenzen, die man Teilen der Fanszene am Tivoli nachsagt. Mit dem Heimspielauftakt in Liga vier versuchte die derzeit dominateste Aachener Ultragruppe »Karlsbande« (KBU) mit ihrem braunen Image aufzuräumen. Beim Spiel gegen den FC Hennef 05 hissten die Fans ein gewaltiges Banner mit der Aufschrift: » Rechtsextremismus und Rassismus haben bei uns keinen Platz! Das einzige was zählt ist Alemannia! Karlsbande Ultras«.

Die Szene ist skeptisch


Innerhalb der Aachener Fanszene steht man der angeblichen Selbstreinigung der »Karlsbande« skeptisch gegenüber. Die Aachen Ultras antworteten etwa mit einem Karikatur-Flyer, der einem echten Flyer der »Karlsbande« nachempfunden ist, auf das gezeigte Spruchband aus dem Hennef-Spiel. Aus diesem wird deutlich, dass man der KBU einen ernsthaften Gesinnungswechsel nicht zutraut. Die Skepis ist durchaus nachvollzierbar, in der Vergangenheit wurden die Aachener Ultras von Mitgliedern der »Karlsbande« förmlich aus dem Stadion geprügelt.

In der Folge haben die Aachen Ultras, die sich klar gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung positionieren, gar den Support am Tivoli eingestellt. Nach Meinung der Ultras hätten »nicht unerhebliche Teile der Aachener Fanszene eine Atmosphäre geschaffen, in der sich Menschen mit diskriminierenden Einstellungen einnisten, wohlfühlen und aktiv ausleben können.« Bei einem Spiel gegen Viktoria Köln Anfang 2013 war die Lage zwischen beiden Lagern endgütltig eskaliert. Böller, Steine und Gläser flogen aus beiden Richtungen. Die Ausschreitungen waren Ausdruck einer Fanszene, die sich bekriegte. Aachener Ultras berichteten gar von Hausbesuchen durch »Karlsbande«-Mitglieder. Am Tivoli wurde so ein Klima der Angst und Einschüchterung geschaffen, das keiner der Ultras länger hinnehmen wollte. Und nun sollen die rechten Schläger von einst plötlzich handzahm sein?

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Zumindest die Aachener Polizei sieht die Fanszene am Tivoli im Wandel. Der ständige Einsatzleiter bei Heimspielen der Alemannia, Christian Außem, sagte der »Aachener Zeitung« im Bezug auf die »Karlsbande«: »Da ist eine ausgesprochen große Dynamik.« Und ergänzte, dass man die rechten Fans auf den Rängen mittlerweile »an einer Hand abzählen« könne.