90 Minuten mit Senegals Superstar Sadio Mané

Der große Beruhiger

Senegal schlägt Polen und startet als einziges afrikanisches Team mit einem Sieg. Wie weit kann Kapitän Sadio Mané seine Mannschaft tragen? Wir haben ihn 90 Minuten beobachtet.

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Er federte und er schlenderte, er tänzelte und sprintete, aber manchmal stand er auch einfach nur da. Wenn es heute im Fußball sowas noch geben würde, hätte Sadio Mané vermutlich sogar auf den Ball getreten. Interessant, wieviel Energie und Präsenz ein Mensch ausstrahlen kann, der auf einem Fußballrasen einfach steht.

Sadio Mané ist der Superstar der senegalesischen Mannschaft, und daran ließ er beim 2:1-Sieg über Polen keinen Zweifel aufkommen. Beim großen FC Liverpool ist er ein Teil des elektrisierendsten Angriffstrios der Welt und eines der Schwungräder in Klopps roter Pressingmaschine. Bei Senegal ist er kein Teil einer Maschine. Hier darf er der Star sein. Und er genoss es.

Der große Beruhiger

Es war faszinierend, wie Mané beim 2:1-Sieg der Senegalesen in der zweiten Halbzeit zwar immer mehr in den Hintergrund trat, sein Team aber trotzdem noch auf ihn fixiert war. Im fünften Spiel einer afrikanischen Mannschaft bei dieser WM, von denen vier verloren gegangen waren, wirkte er als der große Beruhiger. Oft verlangsamte er das Spiel und setzte damit die Anweisungen seines Trainer Aliou Cissé um, der wiederholt anzeigte, dass ruhig kombinierte werden sollte.

Mané machte die einfachen Dinge, während seine Mannschaftskameraden um ihn herum schufteten. Wie vor dem 1:0 für Senegal, als M´Biaye Niang den Dortmunder Lukasz Piszczek einfach überrannte wie ein Kind, das in ein Seniorenspiel geraten war. Dann passte er zu Mané. Der nutzte die gute Entfernung zum Tor nicht, sondern schob den Ball weiter auf Gueye. Dieser schoss – und Thiago Cionek, der polnische Verteidiger brasilianischer Herkunft, fälschte ab.

Mané meldete sich selber in einer Talentschule an

Afrikas Fußball hat gelitten in den letzten Jahren. Einerseits spielen in den Nationalmannschaften viele Jungs, die in Europa aufgewachsen sind. Und manchmal sind es einfach die, die für die Nationalmannschaften in Frankreich oder Belgien nicht gut genug waren. In Afrika selber fehlt die Professionalität. Sadio Mané ist in einem Dorf im Süden von Senegal aufgewachsen, hat sich selber bei einer Talentschule in Dakar vorgestellt und es von da nach Europa gebracht. Metz, Salzburg, Southampton, Liverpool, vielleicht bald Real Madrid. Vermutlich vermögen wir nicht mal zu ahnen, wie weit so ein Weg ist.

Trainer Cissé war 2002 beim historischen Sieg Senegals über Frankreich bei der WM in Fernost dabei, als Kapitän. Seit drei Jahren ist er Senegals Nationaltrainer, und er hat eine gute Mannschaft zusammengestellt. Sie hat eine enorme Athletik und Dynamik, sie spielt geordnet, aber sie kann auch Chaos, ein Spiel in ein freakiges Durcheinander verwandeln. Und sie hat Mané, der nach dem Abpfiff auf die Knie sank. Senegal hatte Polen kantig und schwer wirken lassen, deren Fans auf den Rängen pfiffen sie frustriert aus. Dann hörte man die Trommeln der kleinen Gruppe senegalesischer Fans. Endlich Afrika! Von Mané werden wir noch mehr sehen.