90 Minuten mit Schwedens WM-Hoffnung Marcus Berg

Nummer 9 lebt

Ohne Zlatan Ibrahimovic geht in Schwedens Offensive nichts? Von wegen: Wir haben gestern 90 Minuten lang den ehemaligen HSV-Stürmer Marcus Berg beobachtet. 

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Neulich tauchte auf Youtube ein sonderbares Video auf, in dem Schwedens Stürmer Marcus Berg einen Rundgang durch seine eigene Wohnung in Göteborg macht. Wobei, eigentlich sieht man nur seinen Kopf auf dem Bildschirm eines Tabletcomputers, der wiederum auf einem ferngesteuerten Segway befestigt ist. Als würde der Roboter aus »Nummer 5 lebt« Gast in der legendären MTV-Show »Cribs« sein.

Untermieter gesucht

Das Kleinod ist bei Youtube bislang komplett untergegangen – 344 Klicks, ein Kommentar, zwei Likes –, dabei sagt Berg so schöne Sätze wie: »Now we are in the bedroom, where the magic happens.« Und warum das alles?

Zwischen Flur und Essbereich erklärt Berg, dass er während der WM-Zeit einen Zwischennutzer für seine 89 Quadratmeter große Wohnung suche. Der Auserwählte muss nicht mal Miete zahlen, er soll nur auf Bergs Zuhause aufpassen. Der Clip entstand zwar in Kooperation mit einer Immobilienfirma, trotzdem scheint es, als habe Marcus Berg seine Leichtigkeit und seinen Humor wiedergefunden. Und das ist doch schon was. Schließlich stand er vier Jahre beim HSV unter Vertrag.

Zwischen Makaay und Suarez

Vor zehn Jahren war Berg das größte Versprechen des schwedischen Fußballs. Im Februar 2008 debütierte er für die Allsvenskan, ein Jahr später, bei der U21-EM 2009, schoss er sieben Tore in vier Spielen und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Auch bei seinem Klub FC Groningen lief es. In der Eredivise traf er er 2008/09 häufiger als Rotterdams Roy Makaay, in der Torjägerliste standen nur Luis Suarez und Mounir El Hamdaoui vor ihm. Und dann klopfte der Hamburger SV an.

In Hamburg glaubten sie, mit dem 22-Jährigen bald wieder in Champions League einzuziehen – und diese vermutlich auch zu gewinnen. Nach einem Jahr und vier mageren Toren rechnete die »Bild« vor, dass »jeder seiner Treffer den Klub unglaubliche 2,5 Millionen Euro« gekostet habe. Die Fußnote, dass er meist nur auf der Bank saß, interessierte da schon niemanden mehr. Berg galt als der teuerste Fehleinkauf in der Geschichte des HSV. Als ein introvertierter Spieler, der für die harte Bundesliga einen viel zu wischiwaschihaften Fußball spielte.