5 Gründe, mal wieder zum Amateurfußball zu gehen

So schön hier

Am 14. Oktober starten wir unseren zweiten »Tag der Amateure«. Und damit ihr auch vom Sofa hochkommt, kommen hier fünf gute Gründe, mal wieder beim Kreisligisten umme Ecke vorbeizuschauen.

imago

1. Der Platz

Um heutzutage in ein ganz normales Bundesligastadion zu kommen, benötigt man zunächst mal sehr viel Zeit. Zudem den Orientierungssinn eines Fähnlein Fieselschweif, gutes Schuhwerk und mehr Gelassenheit als ein erfahrener Clubschlangen-Steher. Eher von Nachteil sind klaustrophobische Züge, eine übersensible Nase (U- und S-Bahnfahrten zum Stadion!) oder eine Antipathie gegen bullige Menschen mit bulligen Gesichtern in bulliger Multifunktionskleidung mit dem Auftrag zu großen Abtatscherei. Da können Berghain-Besucher noch so sehr über stundenlange Wartezeiten vor der angeblich härteste Tür der Stadt jammern, der Besuch eines ganz normalen Bundesligaspiels im Olympiastadion würde die Damen und Herren ernüchtern.

Die Schönheit der Schrott-Tribüne

Welch Wohltat ist da die örtliche Bezirkssportanlage oder das schmucke »Stadion«! Das darf sich auch nur deshalb so nennen, weil vor Urzeiten eine kleine Tribüne aufgeschüttet und mit einem Dutzend Wellenbrechern versehen wurde, die selbstverständlich nur da sind, damit sich Stammrentner dagegen lehnen können, wenn sie sich von ihren Schimpftiraden erholen müssen. Gibt es eine schönere architektonische Leistung der Menschheit als moosbewachsene Stehtribünen aus Asche, Bauschutt und ein wenig Zement? Wenn ja, wollen wir es erst gar nicht wissen.

Unvergleichlich ist auch das Geruchserlebnis auf diesen doch eher spärlich bevölkerten Plätzen. Hier darf sich die Nase tatsächlich mal am Geruch von frisch gemähtem Rasen erfreuen, statt die Großstadienmischung aus Alkoholdunst, Pisse, Schweiß, Großhändler-Bratwurst und schalem Bier irgendwie zu verarbeiten.

Die Anzeigetafel bedient des Präsidenten Tochter

Wir könnten noch ewig so weitermachen. Die Flutlichtmasten! Die leicht angerostete Werbebande! Die legendäre Werbetafel des Freudenhauses, das es bereits seit 1997 nicht mehr gibt! Die Anzeigetafel, an Spieltagen mit Leiter und Greifhaken von der pubertierenden Präsidententochter bedient! Und so weiter. Das alles wirkt so einladend wie früher die Kaffee- und Kuchennachmittage bei der Lieblingsoma. Immer wieder schön, hier zu sein.