5 Gründe für Stuttgarts unglaublichen Aufschwung

Kleine, feine Anpassungen

      3. Kleine, aber feine taktische Anpassungen

Korkuts taktisches System besticht zunächst einmal durch seine Einfachheit: klare Abläufe im 4-4-2, fest abgestimmte Laufwege im Konter. Korkut wechselt dabei das Personal eher selten, sodass die Spieler perfekt aufeinander eingestimmt sind. Mittlerweile haben alle Stuttgarter den Korkut-Fußball verinnerlicht.

Dennoch stellt Korkut seine Mannschaft taktisch auf jeden Gegner ein. Er tut dies nicht über große Systemwechsel, sondern über kleinere Tricks und Kniffe. Mal stellt er als Rechtsverteidiger einen gelernten Innenverteidiger auf, um die starke Seite des Gegners mattzusetzen - so wie gegen Bremen. Mal stellt er Daniel Ginczek auf den Flügel, um ihn mit Flanken von der anderen Seite zu füttern – so wie gegen die Bayern. Somit kann sich Stuttgart gegnerischen Stärken und Schwächen anpassen, ohne das eigene System komplett umzukrempeln.

4. Passende Rollen für die Einzelspieler

Dass Korkut derart selten seine Stammelf verändert, hat einen guten Grund: Seine Stammelf funktioniert richtig gut. Korkut hat ein System geschaffen, das viele Spieler optimal einbindet. Paradebeispiel ist Winter-Neuzugang Mario Gomez, der als Fixpunkt im Konterspiel aufblüht. Aber auch sein kongenialer Partner Daniel Ginczek profitiert vom Zwei-Stürmer-System; er arbeitet Gomez perfekt zu und öffnet für seinen Sturmkollegen Räume.

Vor allem kann Korkut nicht hoch genug angerechnet werden, dass er Christian Gentner nicht wie seine Vorgänger im zentralen Mittelfeld aufstellt, sondern auf dem rechten Flügel. Hier kommen Gentners Kampfgeist und seine Dynamik zum Tragen, seine fehlenden Spielgestalter-Fähigkeiten fallen wiederum nicht so stark ins Gewicht. So hat Korkut Leistungen aus Gentner herausgekitzelt, die man vor der Rückrunde kaum für möglich gehalten hat.

5. Ron-Robert Zieler

Reschkes eingangs erwähnter Respekt vor dem Stuttgarter Restprogramm erwies sich im Nachhinein als absolut gerechtfertigt. Denn betrachtet man die Spielverläufe der Partien gegen Leverkusen (0:1), Hoffenheim (0:2) und Bayern München (1:4) hätten alle Spiele auch anders ausgehen können. Leverkusen versemmelte ein halbes Dutzend Chancen, Hoffenheim dominierte die erste Halbzeit vollends und auch die Bayern kamen beim Stande von 0:1 mehrmals gefährlich vor das Stuttgarter Tor.

Doch alle drei Gegner scheiterten an Ron-Robert Zieler. Sieben Paraden gegen Leverkusen, sieben gegen Hoffenheim, sieben gegen Bayern – herausragende Werte. (Durchschnittlich parierte Zieler diese Saison 3,5 Schüsse pro Spiel, der Durchschnittswert für alle Bundesliga-Keeper liegt bei 3,05). Nachdem Zieler sich Mitte der Saison einige Patzer leistete, bewies er zum Saisonschluss noch einmal seine ganze Klasse – und hielt in engen Momenten Stuttgart im Spiel.