5 Gründe für Stuttgarts unglaublichen Aufschwung

Vizemeister Korkut

Der VfB Stuttgart war im Januar noch akut abstiegsbedroht, jetzt spielt er nächstes Jahr in der Europa League. Wie konnte das geschehen?

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Stuttgart vor drei Wochen. Europa League? Nein, daran denke niemand beim VfB, so Sportvorstand Michael Reschke. Leverkusen, Hoffenheim, die Bayern – das Restprogramm sei schwer, man denke von Spiel zu Spiel. Stuttgart vor zwei Wochen. Europa League? Nein, nein, dazu müsse man ja Hoffenheim und Bayern schlagen, wie wahrscheinlich sei das? Stuttgart vor einer Woche. Europa League? Klar, wir wollen schon, so Reschke. Aber die Bayern bei ihrer eigenen Meisterfeier schlagen? Wird schwer.

Nun ist es doch passiert. Der VfB Stuttgart hat sich mit dem 4:1-Erfolg beim Rekordmeister auf Rang sieben der Tabelle geschoben. Sollte Eintracht Frankfurt nicht wider Erwartens den DFB-Pokal gewinnen, spielt Stuttgart kommende Saison europäisch. Der Aufsteiger, der noch vor einem halben Jahr den Trainer gewechselt hat aus Angst vor einem direkten Wiederabstieg.

So lässt sich der Stuttgarter Aufschwung zu großen Teilen an eben jenem Trainerwechsel festmachen. Tayfun Korkut hat die Stuttgarter in der Rückrunden-Tabelle auf den zweiten Rang geführt. Was hat er richtig gemacht? Wieso hat sich der Klub derart positiv entwickelt? Fünf Gründe für den Stuttgarter Aufschwung.

1. Die defensive Stabilität

Vierzehn Spiele saß Stuttgarts Trainer Tayfun Korkut auf der Stuttgarter Bank. Gerade einmal zehn Gegentore fing Stuttgart in diesem Zeitraum – Liga-Bestwert. Zur Ehrenrettung seines Vorgängers Hannes Wolf sei gesagt: Die defensive Stabilität hat Korkut in weiten Teilen geerbt. Schon unter Wolf standen die Stuttgarter defensiv äußerst stabil und ließen weniger gegnerische Schüsse zu als zwei Drittel der übrigen Bundesliga-Teams.

Korkut baute auf diesem Fundament auf. Anders als Vorgänger Wolf wechselt er nicht ständig die taktische Formation, sondern vertraut meist auf ein 4-4-2-System. Die Viererketten halten wenig Abstand zueinander. Im Mittelfeld greifen die Stuttgarter ihre Gegner aggressiv an und erzeugen Zugriff. Stuttgart presst etwas früher als unter Wolf, vertraut aber insgesamt auf das gleiche Grundrezept: Defensiv sicher stehen und gut verschieben. Dies ist die große Stärke der Stuttgarter.

2. Korkut brachte Stuttgart das Toreschießen bei

Die großen Unterschiede zwischen Wolf und Korkut offenbaren sich in der Offensive. 0,8 Tore pro Spiel unter Wolf, 1,4 unter Korkut: Der neue Trainer hat dem VfB das Toreschießen beigebracht.

Korkut hat in erster Linie die Abläufe im Konterspiel verbessert. Unter dem neuen Trainer spielt Stuttgart wesentlich schnörkelloser nach vorne, hält den Ball nicht mehr so lange in den eigenen Reihen. Aufgrund ihres Zwei-Stürmer-Systems haben die Stuttgarter mehr Anspielstationen in der Tiefe, diese erhalten zudem Unterstützung der schnellen Außenstürmer. Stuttgart hat sich unter Korkut zu einer der stärksten Konter-Mannschaften der Liga entwickelt.