5 Fragen nach dem Deutschland-Spiel

Sind sie zu schwach, bist du zu stark

War Deutschland wirklich so gut? Hat Mario Gomez nun eine Stammplatzgarantie? Und was macht Kimmich besser als Höwedes? Wir haben die Antworten.

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Was macht Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger anders als Benedikt Höwedes? Oder hat er einfach nur davon profitiert, dass die Nordiren ohnehin nur kontern wollen? 

Kimmich hat die Rolle des Rechtsverteidigers wesentlich offensiver interpretiert als Höwedes. Der Schalker stand in den ersten Partien nur zwei, drei Meter tiefer – diese Meter können im modernen Fußball aber einen großen Unterschied machen. 

Kimmich rückte häufig bis an die gegnerische Viererkette vor, war damit permanent in der Offensive zu finden. Er zog dabei durch seine hohe Position den gegnerischen Außenstürmer mit sich. Da auch Hector hoch agierte, befanden sich beide nordirische Außenstürmer ständig auf der Höhe der eigenen Viererkette. Nordirland stand dadurch meist im 6-3-1. Das öffnete Räume für Deutschlands Mittelfeld. Zudem standen Hector und Kimmich ständig bereit für Spielverlagerungen. Mit dem etwas tiefer stehenden Höwedes wäre dies nicht möglich gewesen.

Wahr ist aber auch: Gegen Nordirland war die hohe Rolle von Kimmich nicht nur notwendig, um den Gegner nach hinten zu drängen; sie war auch möglich, weil Nordirland keine Gefahr im Konter versprühte. Manches Mal dachte Kimmich sogar einen Tick zu offensiv und rückte im Pressing zu früh vor. Allerdings bewies Kimmich bereits bei den Bayern, dass er im Zweifel auch denken kann wie ein Verteidiger. Er könnte die Rolle des Rechtsverteidigers also durchaus balancierter ausführen als gegen Nordirland; das war in dieser Partie aber schlicht nicht notwendig.

Prellbock Mario Gomez - was ändert sich für das deutsche Spiel, wenn man so einen Tank in der Mitte hat? 

Ein großes Problem in den ersten deutschen Partien war die fehlende Tiefe im Spiel. Niemand bot sich an der letzten Linie oder im Strafraum an. Deutschland musste daher häufig um die gegnerische Formation spielen, konnte aber selten den Pass oder die Flanke in die gegnerische Formation wagen. 

Das änderte sich mit Mario Gomez. Nicht nur fungierte er als Abnehmer für Flanken, er half auch spielerisch aus. Er postierte sich an der letzten Linie und leitete Pässe mit dem Rücken zum Tor weiter. Meist benötigte er dafür nur einen Kontakt. Deutschland konnte über Gomez das Spiel also schnell in die Mitte tragen. Nicht zufällig war Gomez nicht nur End-, sondern auch Ausgangspunkt vieler guter Angriffe.

Mario Götze und Thomas Müller agierten agil wie lange nicht mehr. Warum tauten die Beiden in diesem Spiel so auf?

Götze und Müller schienen in dieser Partie endlich ihre passende Rolle gefunden zu haben. Götze rieb sich als Stürmer oft in vorderster Linie auf, bekam aber keine für ihn passenden Zuspiele. Als linker Außenstürmer konnte er häufig in den linken Halbraum rücken. Er bekam mehr Bälle, die er mit dem Blick zum Tor weiterverarbeiten konnte. Götze war sehr präsent als Verbindungsmann zwischen linkem Flügel und Zentrum.

Auf der rechten Seite übernahm diese Rolle Mesut Özil. Das erlaubte Thomas Müller wiederum, tororientierter zu agieren. In den ersten Spielen rieb er sich noch im rechten Halbraum oder gar auf dem rechten Flügel auf. In dieser Partie startete er häufiger in den Strafraum und konnte seine unwiderstehliche Dynamik einbringen. Einzig vor dem Tor blieb er glücklos.