45. Ausgabe der 96-„Notbremse“

„Wir bleiben kritisch“

Mit Hannover 96 und seinen Fans ist es wie in einer turbulenten Beziehung: Mal hat man sich lieb, mal fliegen die Fetzen, doch irgendwie hält die „Alte Liebe“ alle zusammen. Besonders treu ist die Redaktion der „Notbremse“, dem „Fachmagazin für Liebhaberei“. Imago Seit zehn Jahren begleiten die Schreiber die Aktivitäten von 96 und veröffentlichen viermal im Jahr einen Mix aus Spielberichten, Interviews und „dem ganzen Drumherum“, wie es Redaktionsmitglied Thomas Koch beschreibt: „Wir verarbeiten aktuelle Themen aus Sicht der Fans und nehmen kein Blatt vor den Mund.“

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Schon die erste Ausgabe der Notbremse, von Frank Preßler gegründet, sorgte im Februar 1997 für Wirbel. In dem Heft machten die Schreiber den latenten Rassismus bei Hannover 96 zum Thema. „Zu der Zeit waren Rechtsradikale noch stark im Stadion vertreten, auch im VIP-Bereich“, erinnert sich Jan C. Rode, der zwar erst Anfang 1998 zur Notbremse stieß, das 96-Umfeld jedoch schon länger beobachtete. Die Folge der Erstausgabe waren Drohanrufe aus der rechten Szene und ein aufgebrachter Klubchef Hans Wöbse, der verkündete: „Solange ich Vorstandsvorsitzender bin, wird es eine zweite Ausgabe der „Notbremse“ nicht geben.“ Einige Monate später trat Wöbse von seinem Amt zurück, die „Notbremse“ feiert inzwischen Zehnjähriges – das Zitat von Wöbse steht in jeder Ausgabe über dem Impressum.

Die „Notbremse“ hat 96 auf dem Weg von der Regionalliga zurück in die Bundesliga begleitet, und verglichen mit den eher turbulenten Anfangsjahren ist die heutige Professionalität des Vereins für die Schreiber schon fast langweilig skandalfrei. Aber weil die „Notbremse“-Macher in erster Linie Fans sind, begrüßen sie diese Entwicklung durchaus: „Wenn man mal schaut, was noch vor einem Jahr los war, da ist schon viel Ruhe reingekommen“, sagt André Nowak anerkennend.
Hannover 96 hat sich zum seriösen Bundesligisten gemausert, und auch die „Notbremse“ wird inzwischen vom Verein anerkannt, neue Ausgaben werden sogar auf der 96-Homepage angekündigt. Auch Interviews mit Verantwortlichen und Spielern sind zur festen Rubrik geworden. Das heißt jedoch nicht, dass die Fanzine-Schreiber „brav“ geworden sind. „Wir bleiben kritisch“, sagt Klaas Laufmöller.

Die nächste, mittlerweile 45. Ausgabe soll im Herbst erscheinen und wird dann vor einem 96-Heimspiel in der AWD-Arena verkauft.

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Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung