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4 Gründe für Deutschlands Ausscheiden

Wo war Plan B?

Wie konnte Deutschland nur bereits in der Vorrunde ausscheiden? Hier kommen vier Dinge, die gegen Südkorea aus taktischer Sicht schief gelaufen sind.

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Deutschland kann nicht in der Gruppenphase ausscheiden. Irgendwie haut das schon hin. Es hat ja schließlich immer hingehauen. Manch ein Zuschauer dürfte sich am Mittwochnachmittag beim Spiel Deutschland gegen Südkorea bei diesem Gedanken ertappt haben – und vielleicht auch so mancher Spieler. Das Ausscheiden des Weltmeisters ist historisch.

Über die Gründe wird sich die deutsche Öffentlichkeit in den kommenden Tagen und Wochen den Kopf zerbrechen. Machen Sie sich bereit für Sondersendungen von »Hart, aber fair!« und Wortmeldungen von sämtlichen Ex-Fußballern, die jemals für die deutsche Nationalmannschaft gespielt haben. Bevor es soweit ist, soll an dieser Stelle kurz der Scheinwerfer auf das Südkorea-Spiel geschwenkt werden: Was hat die deutsche Mannschaft falsch gemacht? Welche Fehler gab es in der Taktik? Wir liefern vier Dinge, die aus deutscher Sicht schiefliefen. 

1. Der Fokus auf die rechte Seite funktionierte nicht

Im dritten Spiel schickte Joachim Löw zum dritten Mal eine neu formierte Mannschaft auf das Feld. Die grundsätzliche taktische Marschroute blieb gleich: Deutschland kontrollierte Ball und Gegner, wollte über eine ruhige Ballzirkulation die Abwehrreihen der Südkoreaner knacken. Die deutschen Außenverteidiger rückten dazu weit nach vorne, die Außenstürmer bewegten sich in die Halbräume.

In dieser Partie hatte das deutsche Spiel durch die Aufstellung eine gewisse Unwucht. Marco Reus orientierte sich auf der linken Seite eher nach vorne, zog häufig Richtung Tor. Leon Goretzka auf der anderen Seite agierte etwas tiefer, beteiligte sich häufiger an Kombinationen. Da auch Mesut Özil häufig nach rechts auswich, liefen in den ersten sechzig Minuten sehr viele Angriffe über diese Seite.

Das Problem: Südkorea war sehr gut eingestellt auf diesen Flügelfokus. Sobald Deutschland ins letzte Drittel gelangte, rückte der Außenverteidiger auf den deutschen Flügelstürmer. Die entstehende Lücke in der Viererkette füllte Hyun-soo Jang auf. Jang, eigentlich bisher in diesem Turnier als Innenverteidiger eingesetzt, ließ sich dazu in den entscheidenden Momenten von seiner Position im zentralen Mittelfeld in die Abwehr fallen. 

Immer wenn Timo Werner versuchte, sich auf den Flügel zu schleichen und hinter die Abwehr zu gelangen, war Jang zur Stelle. Dadurch fehlte Deutschlands Angriffen über den rechten Flügel jegliche Wucht; sie blieben an Koreas breiter Abwehrkette hängen. Der Fokus auf die rechte Seite führte höchstens zu Flanken von Joshua Kimmich, die wiederum selten einen Abnehmer fanden.

2. Wenige Läufe in die Tiefe

Deutschland spielte sich auch deshalb so häufig auf dem Flügel fest, weil sie selten direkt in die Tiefe spielten. Löws Mantra nach den ersten beiden Spielen, die deutsche Mannschaft dürfe weniger Ballverluste erleiden, war dem Spiel deutlich anzumerken. Erst einmal Ruhe ins Spiel bekommen, Ball laufen lassen – und dann weitersehen. Dadurch fehlte aber auch der Überraschungsmoment. Nicht einmal Marco Reus zeigte sich allzu beweglich im letzten Drittel.

Auffällig war hierbei auch die Rolle der Doppelsechs: Toni Kroos und Sami Khedira verblieben in einer tiefen Position, rückten selten vor. Überraschende Läufe in die Spitze wagten sie selten. Sie waren darauf bedacht, gegnerische Konter abzusichern. Tatsächlich gelang es Deutschland wesentlich besser als in den ersten Spielen, das Konterspiel des Gegners im Keim zu ersticken. Leider ging dies etwas zulasten der Offensivgefahr.