Die geilste Liga aller Zeiten
Dieses Special wird präsentiert von: 
Magenta Sport

3. Liga: Anetts Ansicht

Die Geister, die ich rief

In der 3. Liga gibt es neben dem 1. FC Kaiserlautern aktuell nur ein Thema. Die täglich neuen Meldungen rund um den KFC Uerdingen grenzen zum Teil an Realsatire und sorgen für Spott. Doch es geht um viel mehr: mangelnden Respekt!

imago images

Normalerweise ist eine Pressekonferenz nach Abpfiff fester Bestandteil eines Fußballspiels. Pele Wollitz, Trainer von Energie Cottbus, war das am letzten Sonntag nach der Partie gegen den KFC Uerdingen herzlich egal. Er entschied sich für einen Boykott – aus Solidarität den entlassenen Trainern und vor allem Norbert Meier gegenüber, den Präsident Mikhail Ponomarev heftig angegriffen hatte.

Rundumschlag via Twitter

Über den erst wenige Tage zuvor eröffneten Twitteraccount des KFC-Vorstandes bezeichnete der Investor Norbert Meier als schlechtesten Trainer der Vereinsgeschichte und bescheinigte ihm sein Karriereende im deutschen Profifußball. Ich habe diese Aussagen fassungslos zur Kenntnis genommen und sie haben mein Gefühl bestärkt: Dass der Faktor Mensch beim KFC Uerdingen nur in ganz wenigen Bereichen eine Rolle spielt.

Ich weiß, dass die Medienberichte der vergangenen Tage über nicht geleistete Zahlungen zum Teil bewusst überspitzt worden sind. Ich weiß aber auch, dass der Kern des Ganzen der Wahrheit entspricht. Angestellte werden als Produktionsfaktoren gesehen – aussortiert und weggeworfen, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Von Vertrauen, Unterstützung und Menschlichkeit ist nicht viel zu spüren. So kann ein Geschäftsmodell, das auf Menschen basiert, nicht funktionieren.

Respekt vorleben

Mittlerweile verstehe ich, warum die Mannschaft gar nicht erfolgreich sein konnte und habe große Achtung vor jedem, der in diesem Mangel an Vertrauen weiterhin professionell seine Arbeit gemacht hat. Der KFC musste in den vergangenen Tagen Spott und Häme über sich ergehen lassen. Das wiederum veranlasste den Verwaltungsrat zu einer Pressemitteilung, in der zu respektvollem Umgang miteinander aufgerufen wurde. Nachvollziehbar und völlig zu Recht – aber: Was ich für mich selbst einfordere, muss ich zunächst einmal vorleben.

Anstatt nun also zurückzuschießen und einigen Medien sogar Rassismus vorzuwerfen, wäre der Verein gut beraten zu hinterfragen, welche Signale man sendet – an die Öffentlichkeit, aber auch an die eigenen Mitarbeiter. Da blieb der Respekt leider zu oft auf der Strecke und genau das kommt jetzt zurück.