25 Dinge über Ronaldinho

„Der Ball ist meine Braut“

Hier erfahrt Ihr, warum der Weltfußballer 2005 zwar nie in der Türkei spielte, aber dennoch Türkisch lernte. Warum sein Bruder für ihn verhandelt. Und was Ronaldinho mit einem Presslufthammer gemeinsam hat. Und vieles mehr. Imago
Heft #51 02 / 2006
Heft: #
51
1.
Wenn einer wie Ronaldinho im Werbespot das Leder mehrmals hintereinander an die Latte nagelt, sollte das der Blasphemie genug sein, könnte man meinen. Doch bei den Dreharbeiten für einen TV-Spot im März 2004 kannte Ronaldinho selbst mit der legendären Kathedrale von Santiago de Compostela keine Gnade und zerschoss, natürlich unabsichtlich, ein Fenster des im 12. Jahrhundert erbauten Gotteshauses.

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2.
Was bei Effenberg dessen Gattin Martina war, ist bei Ronaldinho sein älterer Bruder Roberto. Der nämlich ist sein Berater, steuert mit kühler Stirn die Vermarktung des Goldjungen und plant die sportlichen Etappen. Wie sich die Brüder ansonsten vertragen, ist nicht bekannt. Hoffentlich besser als die Effenbergs.

3.
Ronaldinho wäre kein Brasilianer, hörte er nicht eigentlich auf einen längeren Namen, den keiner kennt. Hier schon mal zum Merken, um mit dem Wissen im Jahr 2037 bei der 250 000. Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ zu glänzen: Ronaldo de Assis Moreira.

4.
Ob vielleicht dies der Grund für sein zahnlastiges Dauergrinsen ist? Ronaldinhos Heimatstadt heißt Porto Alegre, zu deutsch: der heitere Hafen.

5.
Schon bei seinem ersten großen Auftritt in der Seleção gab Ronaldinho seine Visitenkarte auch vor dem deutschen Tor ab: Beim lässigen 4:0-Erfolg über Deutschland während des Confederation Cups 1999 erzielte er einen Treffer, wenn auch wenig glamourös per Strafstoß. Saudi-Arabien bekam Ronaldinhos Klasse beim 2:8 im Halbfinale hingegen gleich dreimal zu spüren.


6.
Ronaldinho schreibt innerbrasili-anische Fußballmärchen: Er stieg abseits der Fußballhochburgen FC Santos und Sao Paulo in den brasilianischen Fußball ein. Grêmio Porto Alegre hieß der Durchlauferhitzer vor dem Sprung nach Europa. 2001 wechselte er zu Paris St. Germain, seit 2003 zaubert er beim FC Barcelona.

7.
In Brasilien wird Ronaldinho aufgrund seiner Herkunft aus der Provinz Rio Grande do Sul auch Gaúcho genannt. Der Bundesstaat ist der südlichste Brasiliens und grenzt an Argentinien.

8.
Seine schlimmste Stunde erlebte er mit acht Jahren, als sein Vater tragisch im heimischen Pool ertrank. Die Villa mit dem Pool hatte die Familie vom Club Grêmio Porto Alegre geschenkt bekommen, damit Ronaldinhos älterer Bruder Roberto nicht zur Konkurrenz wechselte.

9.
In Porto Alegre hielt er in seiner Abschiedssaison 1999/2001 zusammen mit Marcelinho den Ball hoch. Schon damals bewies Dieter Hoeneß sein Transfergespür für Offensivspieler: Paris St. Germain fischte sich Ronaldinho für fünf Millionen Euro und verkloppte ihn zwei Jahre später für dreißig nach Barcelona. Hoeneß hingegen berappte sieben Millionen für Marcelinho und wusste nie so recht, ob er sich über den eigenwilligen Brasilianer freuen oder ärgern soll.

10.

Auf den Straßen Deutschlands ist kein Platz mehr für Straßenfußballer, in Brasilien schon. Ronaldinho ist einer von ihnen, sein Jugendtrainer Claudio Roberto Pires Duarte sagte über ihn bewundernd: „Wir mussten ihm nichts beibringen, er konnte schon alles.“


11.
Allerdings ist es manchmal doch von Nachteil, fußballerisch so gesegnet zu sein wie Ronaldinho. Sein Mannschaftskollege bei Barcelona, der gute Deco, hat beispielsweise den Begriff „Arbeitsverweigerung“ mit Ronaldinhos Hilfe neu definiert: „Man braucht ihm nur den Ball zu geben, den Rest besorgt er dann schon!“ Ein Autopilot auf zwei Beinen.

12.
In Barcelona war er mit 30 Millionen Euro Transfergebühren der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Keine schlechte Investition allerdings, denn gleich in seiner ersten Saison schoss Ronaldinho die Katalanen mit 22 Toren auf Platz zwei der Primera División.

13.

Derzeit ist er dort mit einem Vertrag bis 2010 ausgestattet, der ihm jährlich 15 Millionen Euro ein- bringt. Das klingt wie ein stattlicher Rentenvertrag, angeblich besitzt er dennoch eine Ausstiegsklausel: für 150 Millionen kann Dieter Hoeneß demnach seinen kleinen Fauxpas aus dem Jahre 2000 wieder gutmachen.

14.

Ronaldinho scheint nicht nur Spaßmacher Nummer eins auf dem Platz zu sein, sondern auch ein mächtig großes Herz für Mitspieler zu haben. So lernte er eigens ein paar Worte Türkisch, um Barças ehemaligen Ersatztorhüter Rüstü aufzumuntern, der kein Fremdsprachentalent ist und folglich innerhalb der Mannschaft ein wenig isoliert war.

15.
Selbst für seine verblüffendsten Tricks hat Ronaldinho stets kreuzbrave Erklärungen. Anstatt sich für den „Chicle“ („Kaugummi“), die extended version des Übersteigers, ausgiebig feiern zu lassen, verkündete er mit bescheidenem Augenaufschlag, er habe sich die Finte lediglich bei Landsmann Rivelino abgeschaut, der 1970 mit der Seleção Weltmeister wurde.


16.
Normalerweise bewirft man sich während der Spiele zwischen Real und Barça mit Schweineköpfen, zumindest aber mit übelsten Beschimpfungen. Im November 2005 aber erhoben sich die Zuschauer im Estadio Santiago Bernabéu zu Madrid hingegen und feierten den Gast Ronaldinho, der dem weißen Ballett mal eben gezeigt hatte, wie man richtig tanzt und nach einem Solo von der Mittellinie aus das 3:0 für Barcelona erzielt hatte.

17.
Zum Thema amouröse Eskapaden: Früher, bei Paris St-Germain, galt Ronaldinho als ausgiebiger Besucher zwielichtiger Etablissements, eine dortige Mitarbeiterin erwähnte gar, er habe beim Sex die Wucht eines Presslufthammers. Eine durchaus schmeichelhafte Expertise, seit seinem Wechsel nach Barcelona sind allerdings keine weiteren Erlebnisaufsätze aus dem Stripperinnen-Milieu mehr aufgetaucht.

18.
„Hang Loose“ ist sein Marken- zeichen, der Surfer-Gruß. Nach jedem Tor heißt es Arme nach oben, Daumen und kleine Finger gespreizt. So sagen auch schon mal Satanisten Grüß Gott. Ronaldinho grüßt hingegen einfach nur so. Warum und wieso? Weiß er auch nicht.

19.
In seiner Luxusvilla am Rande Barcelonas ist Ronaldinho pausenlos von Horden seines riesigen Familienclans umgeben. Den Kochlöffel schwingen Mutter und Schwestern, ein Vetter dient als Sekretär, ein anderer Cousin als Fitnesstrainer. Natürlich lümmeln sich auch ein paar richtig dufte Kumpels in den Sofafalten. Fremde dürfen das Haus nur mit Genehmigung von Big Brother Roberto betreten. Frauen, wenn sie nicht gerade Mütter oder Schwestern sind, schon mal gar nicht.

20.
Erst 26 Jahre alt und schon so viel gewonnen: Ronaldinhos Titelsammlung liest sich relativ schmuck. Weltmeister, Champions-League-Sieger, Spanischer Meister, Confed-Cup-Sieger und U17-Weltmeister, dazu zweimal Weltfußballer sowie Europas Fußballer des Jahres, und nicht zu vergessen: die Krone des europäischen Vereinsfußballs, den UI-Cup 2001 mit Paris St. Germain.


21.
Fast hätte Barcas Clubchef Joan Laporta einen Hoeneßschen Lapsus begangen: 2003 wollte er anstelle von Ronaldinho eigentlich David Beckham holen, doch der Engländer ging lieber zum Erzrivalen Real Madrid. Heute fragen sich die Madrilenen übellaunig, ob sie damals die richtige Wahl getroffen haben.

23.

Pünktlich zur WM kam Ronaldinho als Comic-Held auf den Markt. Federführend war Brasiliens Comic-Ikone Mauricio de Souza, der in den 70ern auch schon einen Pelé-Cartoon auf den Markt geworfen hattte. Geistreicher und durchaus überraschender Titel des neuen Werkes: „Ronaldinho“.

22.
Während sein Landsmann Ronaldo immer wieder durch halbgare Berichte über neue Romanzen in der Boulevardpresse auffällt, erfährt man bei Ronaldinho derzeit nichts über Liebesaffären. Stattdessen werden hüb- sche PR-Sätze öffentlich: „Der Ball ist meine Braut“, sagte er einmal. Immer scheint das aber nicht zu gelten. Kürzlich wurde bekannt, dass Ronaldinho längst Vater eines unehelichen Kindes ist. Die Mutter ist nicht der Ball, sondern eine Ex-Freundin. „Aber in der Öffentlichkeit spreche ich nicht über meinen Sohn Joao. Ich will ihn zwar so oft es geht in meiner Nähe haben. Aber derzeit ist das schwierig vereinbar mit meinem Job als Fußballer.“

24.
Mit seinem neuesten Werbespot jedenfalls hat er die Internetforen der Fußballwelt zum Kochen gebracht: Ist die Stafette aus gekonnten Distanz-Aluminiumtreffern tatsächlich an Ronaldinhos Fuß entstanden oder doch eher am Computer? Nike behauptet, zumindest zweimal in Folge habe er das Kunststück vollbracht – die beiden weiteren Treffer seien „am Computer nachbearbeitet und verfeinert“ worden. Was bei näherem Nachdenken wenig Sinn macht.

25.
Und in diesem Zusammenhang sei schließlich erwähnt: Ronaldinho ist trotz aller guter, besseren, besten Eigenschaften der Lüge fähig! Er selbst hat nämlich immer mit treuherzigem Augenaufschlag behauptet, der komplette Spot sei real.