25 Dinge über den Berliner Fußball

Hertha is’ rausjeflogen!

Über Hertha BSC kann man sich nur noch wundern. Vielleicht liegt es ja an der Stadt, in der der Verein beheimatet ist. Denn bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass das Chaos auch vor den anderen Hauptstadtclubs nicht Halt macht. Imago
Heft #53 04 / 2006
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53
1.
Haken wir gleich die Skandale ab. In der Bundesliga-Saison 1964/65 erwischte der DFB die Hertha bei überhöhten Zahlungen an Spieler. Der Klub flog aus der Bundesliga, stattdessen wurde Stadtrivale Tasmania in die 1. Liga zwangsversetzt. „Es war verrückt“, erinnert sich Keeper Klaus Basikow, „wir waren ja alle im Urlaub. Ich war gerade mal ein paar Tage mit meiner Familie auf einem Campingplatz am Gardasee, da kam ein Berliner zu mir und sagte: „Hab’ gerade im Radio ’n deutschen Sender rinjekricht. Hertha is’ rausjeflogen aus der 1. Bundesliga, Tasmania rückt nach. Alle Spieler sollen sofort zurückkommen.‘“

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2.
Fast nur konsequent: Als der Offenbacher Horst-Gregorius Canellas 1971 den Bundesligaskandal enthüllte, erklang als erste Stimme natürlich wieder die eines Berliners. Verteidiger Bernd Patzke sprach: „Gestern habe ich mit einem von Bielefeld gesprochen, aber wir verhandeln noch. Wenn Sie, Herr Canellas, was draufpacken, sagen wir 140 000 DM, dann versuchen wir natürlich die Bielefelder zu schlagen. Ich habe die Mitspieler schon unterrichtet, allerdings reichen ihnen die 100 000 DM nicht. Also, wie gesagt, 140 000 DM müssen es schon sein....“

3.
Spaßig geriet 1986 Rudi Gutendorfs Gastspiel in Berlin. Um die Profis für den eher tristen Alltag in der 2. Liga zu motivieren, ließ Gutendorf die Spieler in der Kabine Samurai-Schlachtrufe brüllen. Half nichts.

4.
1913 ließ sich Tennis Borussia in das Vereinsregister eintragen. Der Antrag enthielt einen bösen Tippfehler, aufgrund dessen TeBe beinahe als ‚Berliner Tennis Blub Borussia’ weiterexistiert hätte! Eine findige Person im Amtsgericht konnte sich aber glücklicherweise denken, was gemeint war, und ersetzte das B durch ein C.

5.
Ein bizarrer Superlativ ist das kürzeste Trainer-Engagement der Bundesliga-Geschichte. Dettmar Cramer leitete 1974 einen Morgen das Training bei Hertha BSC, um nachmittags seine Demission zu verkünden. Cramer hatte erfahren, dass aus den vollmundig angekündigten Verpflichtungen von Uli Hoeneß, Berti Vogts und Paul Breitner nichts werden würde.


6.
Ost-Berlin war nach dem Mauerfall ein Dorado für westliche Manager. Leverkusens Reiner Calmund fasste etwas despektierlich seine Methoden zusammen: „Man fährt in die Wohnung der Eltern, bringt eine Tafel Schokolade, ein Pfund Kaffee und ein Sträußchen Blumen mit und macht ein bisschen Tralala.“

7.
Der Alkohol, der Alkohol. Des Öfteren wurde bei Hertha fleißig gebechert, so auch in der Saison 1968, als Präsident Wolfgang Holst eine Detektei beauftragte, Spieler beschatten zu lassen. Das Ergebnis war ernüchternd, der Detektiv stellte fest: „Jeden Tag um 17:30 Uhr ist das Training zu Ende, um 17:54 sitzt Herr Wild als erster in der Gaststätte, um 17:56 Uhr folgt der zweite Spieler, solange bis sieben Spieler komplett sind. Dann trinken sie alle abwechselnd sieben Schnäpse und sieben Bier.“

8.
Auf einer Reise von Hertha Zehlendorf auf die Philippinen 1976 verliebte sich ein Fan in die Empfangsdame des Hotels. Vor der Rückreise drohte der 40-Jährige damit, sich aus dem zwölften Stock zu werfen, sollte seine Auserwählte ihn nicht begleiten dürfen. Die deutsche Botschaft organisierte eine Nottrauung, die Dame durfte mit.

9.
Im Bundesliga-Lexikon der Deutschen Fußball-Liga findet sich selbstverständlich auch der ebenso kurze wie desaströse Auftritt von Blau-Weiß 90 Berlin in der Bundesliga. Auch eine Spielerstatistik des Vereins ist abgedruckt, enthält aber zum Entsetzen der Fans die
Daten von - Tasmania 1900.

10.
Am 13. Juni 1993 feierte Union Berlin den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Tage später folgte die Ernüchterung, es stellte sich heraus: Eine Bankbürgschaft war gefälscht. Der Tipp an den DFB kam ausgerechnet von Jack White, Präsident des Konkurrenten Tennis Borussia, der stattdessen aufstieg. Ein Zettel am Schwarzen Brett in der Union-Geschäftsstelle verkündete: „So oft ihr Jungs das Tor auch trefft, die Wessis machen das Geschäft.“


11.
Für das Spiel gegen die SpVgg Unterhaching warb Tennis Borussia im Mai 1999 mit handelsüblichen Ankündigungsplakaten. Ein peinlicher Fauxpas: Angekündigt wurde die Spielvereinigung Spvgg Unterhachingen. TeBe erklärte die Druckerei für schuldig. Die Plakate wurden gleichwohl aufgehängt und verteilt, niemandem war der Fehler aufgefallen.

12.

Das traditionelle Hertha-Stadion am Gesundbrunnen wurde in höchsten finanziellen Nöten nach dem Bundesliga-Skandal verhökert. Noch nicht einmal ein Abschiedsspiel war den Zuschauern vergönnt, das Spiel gegen den FC Nürnberg, geplant am 22. Oktober 1974, fiel wegen starken Regens aus.

13.
Tasmania gilt gemeinhin als schlechteste Berliner Mannschaft aller Zeiten. Getoppt wurde die Pleitenserie Tasmanias allerdings durch den sagenhaften erfolglosen VfB Pankow,
den die DDR-Führung 1950 unter dem Namen „Einheit Pankow“ als Klub des Regierungsviertels installierte. Obwohl Pankow abgeschlagen Tabellenletzter wurde, durfte der Verein noch einmal mitspielen und noch einmal absteigen. Erst dann hatte die DDR-Führung ein Einsehen.

14.
Der BFC Dynamo musste dem Devotionalienhändler Pepe Mager die Rechte am eigenen Vereinswappen abkaufen. Der hatte sich das weinrote Emblem gesichert. „Die Marke war vorher nie geschützt, das war zu DDR-Zeiten auch weder nötig noch üblich“, ließ Magers Anwalt Rupert Müller-Voss verlauten. Das Symbol war frei durch Nichtbenutzung, der Verein, samt Logo, gehörte vor der Wende, wenn überhaupt, dem Ministerium für Staatssicherheit.

15.
Das Maskottchen des 1.FC Union Berlin sorgte zu Zweitligazeiten für ein Novum. „Ritter Keule“ wurde gesperrt, weil er nach dem Führungstor gegen Lübeck auf den Platz gerannt war. „So ein Maskottchen hat nichts auf dem Feld zu suchen. Dazu kommt, dass die Anfeuerung der Fans hinter dem Tor des Gegners unsportlich ist“, moserte der Schiedsrichterbeobachter Winfried Heitmann.


16.
Ein echtes Kunststück: Als Favorit und Aspirant für die Champions League war Tennis Borussia unter Winnie Schäfer in die Zweitliga- Saison gestartet. Bis zum letzten Spieltag kämpfte TeBe um, bzw. gegen den Klassenerhalt. Für seinen bedeutungslosen Treffer zum 1:3 gegen Nürnberg wollten die Spieler dem Schweizer Marco Walker in der Kabine an die Wäsche. Der Grund war einfach. Die meisten Spieler waren durchaus interessiert am Abstieg.

17.
Als Dieter Hoeneß das erste Mal bei Hertha BSC vorbeischaute, fand der Taxifahrer die Adresse der Geschäftsstelle nicht. Hertha logierte als Untermieter in der Heerstraße.

18.
Herthas Thorben Marx geriet im März 2003 in eine Verkehrskontrolle der Berliner Polizei. Der Jungprofi war zu schnell und nicht angeschnallt gewesen, doch vor allem seine geröteten Augen und der Schweiß auf seiner Stirn erregten die Aufmerksamkeit der Beamten. Ein Blitztest zeigte die Einnahme von Kokain an, Marx behauptete, er habe bloß ein scharfes Pfeffersteak verspeist.

19.

Womit wir auf dem weiten Feld der Verstöße im Straßenverkehr angelangt wären. Unbestrittener Meister dort war der Brasilianer Alex Alves, der seinen Führerschein wegen überhöhter Geschwindigkeit abgenommen bekam. Um ein paar Monate später dann Unter den Linden wieder im Auto erwischt zu werden. Manager Dieter Hoeneß legte damals Wert auf die Tatsache, dass Alves nicht alkoholisiert gewesen sei und unter anderem auch gestoppt worden war, weil er „auffällig die Spur wechselte“.

20.

Auch sonst sorgte Alves für den einen oder anderen kleinen Ärger. Regelmäßig trudelte er zu spät beim Training ein, wahlweise weil er den Autoschlüssel nicht gefunden hatte oder nicht aus der Tiefgarage kam oder weil er die Umstellung auf die Sommerzeit verpasst hatte. Dann lief Alves bei einem Heimspiel gegen Wolfsburg im Dezember bei bitterer Kälte mit adrettem Nadelstreifenanzug auf. Da erbarmte sich Trainer Huub Stevens und hängte Alves seine gefütterte Jacke um. Dafür posierte Alves ein paar Tage später mit einem weißen Pelzmantel bei der Weihnachtsfeier des Klubs.


21.
Der schlechteste Hertha-Trainer aller Zeiten? Peter Neururer, der 1990 eine 3:7-Pleite bei den Bayern forsch kommentierte: „So hoch habe ich zuletzt vor 20 Jahren gegen meinen Bruder im Tippkick verloren.“

22.
Namen sind Schall und Rauch in Berlin. Beispiel gefällig: Die Gründung des Berliner Sportclub 1900 wurde 1919 durch den Zusammenschluss von Sportlust und Borussia 1899 zu Sportlust-Borussia vollzogen. Um noch mehr Verwirrung zu stiften, schloss  sich Sportlust-Borussia am 1. November 1923 mit der Hubertuself zum Schöneberger FC Kickers 1900 zusammen. Die Kickers hießen nach 1945 aber erstmal SG Schöneberg Nord und dürfen sich erst seit 1951 wieder BSC Kickers 1900 nennen. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo mit Grün-Weiß-Rot haben die Kickers seitdem die Schnauze voll vom Umnähen ihrer Vereinskluft.

23.
Rankestraße 23, 10789 Berlin – die Adresse des Cafe King, Treffpunkt der einschlägigen Wettgauner um Ante Sapina und Robert Hoyzer.

24.
Kürzlich taxierte Aufsichtsrats-Vorsitzender Rupert Scholz die Verschuldung der Hertha auf etwa 20 Millionen Euro. Tage später stellte sich heraus: Scholz hatte sich um schlappe 15 Millionen verrechnet.

25.
Und am Ende muss noch eine der bekanntesten Berliner Anekdoten dran glauben. Wird doch immer behauptet, Tasmanias berühmtester Kicker Horst Szymaniak habe mit den Worten „Ein Drittel? ich will mindestens ein Viertel!“ mehr Geld verlangt. Szymanika selbst sagt: „Alles gelogen. Ich konnte ganz gut rechnen!“