1979: Europapokal der Pokalsieger

Düsseldorf verpasst Sensation

1979 steht Fortuna Düsseldorf vor einem Triumph für die Ewigkeit. 53.000 Menschen sehen im Basler St. Jakob, wie die Fortuna den großen FC Barcelona an den Rand der Niederlage bringt. Wir blicken tränenumschleiert zurück. 1979: Europapokal der PokalsiegerImago Fortuna Düsseldorf blieb das sprichwörtliche Pech in den Pokal-Endspielen treu. Nach fünf vergeblichen Anläufen auf DFB-Ebene scheiterten die Rheinländer am 16. Mai 1979 auch beim Griff nach den Europapokal der Pokalsieger.

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In einer hochdramatischen Begegnung musste sich der Bundesliga-Sechste mit 3:4 (2:2, 2:2) in der Verlängerung den FC Barcelona beugen. Vor 53.000 Zuschauern im überfülIten Baseler St. Jakob Stadion fiel die Entscheidung in der 104. Minute, als der 32 Jahre alte Carlos Rexach im Düsseldorfer Strafraum den Ball erhielt, sofort schoss und dabei das Glück hatte, dass Zewe das Leder unerreichbar für den ausgezeichneten Torhüter Daniel ins eigene Netz abfälschte. Krankls 2:4 in der Minute war schliesslich das Ergebnis des letzten Anstumrs der Fortuna, die mit allen Spielern noch eine Wende herbeiführen wollte.

Noch einmal griff die Fortuna an und tatsächlich schaffte Seel in der 114. Minute noch einmal das Anschlusstor zum 3:4, doch dann brachten die Katalanen den knappen Sieg über die Zeit, und Kapitän Juan Asensi erhielt von Uefa-Präsident Artemio Franchi im Jubel von 25.000 Landsleuten den begehrten Pokal.

Düsseldorf bekommt die Begegnung in den Griff

In einem der besten Endspiele der jüngsten Europacup-Geschichte wuchsen die Düsseldorfer vor allem in kämpferischer Hinsicht über sich hinaus. Bewundernswert ihre Moral, mit der sie in der ersten Halbzeit einen zweimaligen Rückstand egalisierten. Sanchez brachte Barcelona in der 5. Minute in Führung, Thomas Allofs gelang schon in der 8. Minute das 1:1. Kapitän Asensi war in der 35. Minute zum 2:1 erfolgreich, ehe sieben Minuten später Seel den Torreigen vor der Pause abschloss. Dazwischen lag noch in der 12. Minute ein von Rexach schwach geschossener Foulelfmeter, den Daniel beinahe mühelos parieren konnte. Nach dem Wechsel schien die Fortuna die Begegnung immer besser in den Griff zu bekommen.

Barcelona fand kaum noch zu geordneten Aktionen. In dieser Phase machte sich jedoch nachteilig bemerkbar, dass zwei der wichtigsten Düsseldorfer Akteure mit Bänderdehnungen den Platz hatten verlassen müssen. Brei ereilte das Schicksal bereits in der 25. Minute, der gegen Krankl hervorragend spielende Zimmermann musste sechs Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit die Waffen strecken. So fand der FC Barcelona wieder zu seiner Linie zurück, hatte aber kaum Vorteile, als es in die Verlängerung ging. Die zusätzliche Spielzeit brachte zunächst ein Plus für die Düsseldorfer, denn der eingewechselte Lund und Klaus Allofs scheiterten nur denkbar knapp vor dem spanischen Gehäuse. In dieser Phase wurde deutlich, dass letztlich nur noch die glücklichere und nicht die bessere Mannschaft gewinnen würde. Barcelona hatte schließlich dieses Glück, das dem Club bei seinen 2:3-Finalniederlagen von 1962 (gegen Benfica Lissabon) und 1960 (gegen Slovan Pressburg) gefehlt hatte. Die Fortuna wiederum lag um jene wieder einmal entscheidende Nuance zurück, die schon im April vergangenen Jahres beim 2:0-Pokalsieg des 1.FC Köln in Gelsenkirchen gefehlt hatte.

Die Mannschaft des jungen Trainers Dieter Tippenhauer, die eine Siegprämie von 15.000 Mark pro Spieler verpasste, immerhin aber ein "Trostpflaster" von 6500 Mark erhält, verdiente sich ein Sonderlob für die kaum zu überbietende kämpferische Leistung. Leider fanden jedoch die Nationalspieler Gerd Zewe und Klaus Allofs nicht zu ihrem wahren Leistungsvermögen, sonst wäre das berühmte Tüpfelchen auf dem "i" wohl möglich gewesen. Überraschend in der Düsseldorfer Mannschaft war Zimmermann als Kontrahent des praktisch bedeutungslosen Hans Krankl, Außenverteidiger Baltes und auch Bommer im Zweikampf gegen Johan Neeskens.

Fortuna war keinen Deut schlechter

Alle Spieler zeigten eine Steigerung gegenüber ihren letzten Vorstellungen in der Meisterschaft. Alle Mühen waren jedoch vergebens und die Niedergeschlagenheit der auf dem Rasen zusammensinkenden Fortuna-Akteure war nur allzu verständlich. Barcelona hatte vornehmlich in den ersten 45 Minuten ein spielerisches Plus, offenbarte jedoch Mängel in der Abwehr. Insgesamt waren die frenetisch angefeuerten Katalanen noch eine Spur cleverer, was in den vielen, meist mit Haken und Ösen ausgetragenen Zweikämpfen zum Ausdruck kam. Sehr stark beim neunmaligen spanischen Meister, der am Abend des ersten Europacupgewinnes eine absage von Kölns Trainer Hennes Weisweiler erhielt, waren Kapitän Asensi und auch Rexach, der schon 1969 im Finale an gleicher Stätte dabeigewesen war.

Das Fazit der von Hektik und Dramatik gekennzeichneten 120 Minuten zog Düsseldorfs Alt-Nationalspieler Paul Jaes: "Wenn man drei Tore schießt, darf man normalerweise nicht mehr verlieren. Leider hat die Fortuna unglückliche Gegentore hinnehmen müssen und leider hat auch Klaus Allofs im Angriff nicht zu seiner sonstigen Stärke gefunden. Die Fortuna war keinen Deut schlechter als der neue Europacup-Gewinner."