1971: Gladbachs historischer Sieg

Fußball aus dem Lehrbuch

Was Borussia Mönchengladbach beim 7:1-Erfolg gegen Inter Mailand ablieferte, war sensationell. Eine bessere Werbung für den Fußballsport hätte es gar nicht geben können, da schwärmten selbst die Herren vom »SID«. 1971: Gladbachs historischer SiegImago Schon als Kinder schwärmten wir von Schalke 04. Das fast legendäre Kreiselspiel des siebenmaligen deut- schen Fußballmeisters zog in den 30er- und 40er-Jahren Millionen in seinen Bann. »Besser kann man nicht mehr Fußball spielen«, hieß es beispielsweise nach dem 9:0-Endspielerfolg 1939 über Admira Wien, Fritz Szepan und Ernst Kuzorra setzten damals das Maß.

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Schalke war in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung: Innerhalb von zehn Jahren standen die Königsblauen neunmal im Finale. Der Name-Schalke 04 war damals - ohne Fernsehen und nur mit einem simplen Volksempfänger - auch für jene Leute ein Begriff, die sich kaum mit Fußball beschäftigten. 32 Jahre später durften wir die erste echte Neuauflage des damaligen Schalker Kreiselspiels miterleben. Und es kommt fast einer Tragödie für den Fußballsport gleich, dass ausgerechnet das beste Spiel, das vielleicht jemals eine deutsche Vereinsmannschaft bot, den Millionen schon erwartungsvoll vor den Bildschirmen sitzenden Fernsehzuschauern in letzter Stunde vorenthalten wurde. Eine bessere Werbung für den Fußballsport als Mönchengladbachs Galavorstellung gegen Inter Mailand hätte es gar nicht geben können.  

Kein gutes Image  

Was der deutsche Meister den leider nur 27.500 Zuschauern bei diesem 7:1 über den italienischen Titelträger vorzauberte, hätte von der ersten bis zur letzten Minute in jedes Fußball-Lehrbuch gehört. Daß die Übertragung an ein paar lumpigen Tausendmarkscheinen scheiterte, muß man tatsächlich als "unmögliche" Lösung bezeichnen: Hätten die Borussenspieler nämlich vorher gewußt, daß sie vor einem Spiel standen, wie sie es in dieser Vollendung und Perfektion wahrscheinlich nie wieder bringen werden - jeder einzelne hätte wohl die Summe, an der die Übertragung scheiterte, aus der eigenen Tasche bezahlt. Dass es dem Mönchengladbacher Vorstand in dieser - für den sportbegeisterten Fernsehzuschauer skandalösen - Affäre ums Prinzip ging, muß man gelten lassen. Dass er damit jedoch »seine« Anhänger in München, Berlin und Hamburg im Stich ließ, trägt nicht gerade zu seinem guten Image bei. Ganz bestimmt hätte man von diesem so cleveren und geschäftstüchtigen Vorstand etwas mehr Klugheit erwartet - im Interesse des Sports.